Kaum ein Spieler hat sich in der Bundesliga so in die Herzen der Fans gespielt wie Ailton. Was es ihm heute noch bedeutet, verriet er dem Betway Insider.
Jochen: Ailton, du wurdest mit Werder Bremen Deutscher Meister und Pokalsieger. Verfolgst du heute noch die Ergebnisse des Klubs?
Ailton: Natürlich. Werder ist der Klub, der mein Herz gezeichnet hat. Deswegen verfolge ich die Ergebnisse und was sich auch außerhalb des Spielfeldes tut.
Jochen: Wie war es Werder Bremen 2003/04 möglich, Bayern München und andere Mannschaften zu schlagen und das historische Double zu gewinnen?
Ailton: Wir hatten ein Team mit Herz, Seele und Leidenschaft. Wir spielten mit Qualität und Köpfchen und haben uns auf den Fußball konzentriert.
Jochen: Wohin führt der Weg des SV Werder in dieser Saison und warum erlebt das Team gerade eine schwierige Zeit?
Ailton: Es sind andere Zeiten, andere Spieler und andere Qualitäten. Viele Vereine sind inzwischen auf Augenhöhe, mit Ausnahme von ein, zwei Mannschaften kann jeder jeden schlagen. Und auch das Scouting ist inzwischen so ausgereift, dass jeder Verein jeden Spieler kennt, da ist es deutlich schwieriger für Klubs wie Werder junge Talente für sich zu gewinnen. Aber ich habe großes Vertrauen in Frank Baumann und Florian Kohlfeldt und bin sicher, dass wieder bessere Zeiten kommen.
Jochen: In 214 Pflichtspielen für Werder Bremen erzieltest du 106 Treffer. Hat dich dabei ein besonderer Torinstinkt ausgezeichnet und wie wichtig ist der richtige Instinkt beim Spiel?
Ailton: Man muss sich sehr stark darauf konzentrieren und sehr viel trainieren. Es ist eine Qualität, die nicht immer zu beschreiben ist. Diese Qualität ist auch angeboren.
Jochen: Was hat dir am besten bei Werder Bremen gefallen – in einem Satz?
Ailton: Alles! Die Stadt, die Fans, der Klub.
Jochen: Du wurdest als erster ausländischer Spieler Fußballer des Jahres in Deutschland. Wir wichtig ist dir heute noch die Ehrung aus dem Jahr 2004? {QUOTE}
Ailton: Für mich wird er einer der wichtigsten Titel für den Rest meines Lebens bleiben. Denn es war überhaupt nicht leicht, gerade als erster Ausländer den Titel zu bekommen.
Jochen: Welcher Verteidiger der Gegner aus der Bundesliga ist dir in besonders unangenehmer Erinnerung geblieben?
Ailton: Es gibt viele, aber es war definitiv Lucio von Bayern München, mein brasilianischer Landsmann. Der kannte mich eben auch gut als Brasilianer.
Jochen: Wegen deiner Schnelligkeit hattest du den Spitznamen „Kugelblitz“. Hat der dir überhaupt gefallen?
Ailton: Ich habe ihn geliebt, der war sehr gut.
Jochen: Du wirst von den Fans verehrt, immer noch gibt es in Bremen den Fanclub „Die Zeugen Ailtons“. Wie erlebst du heute noch die Unterstützung der Fans?
Ailton: Das ist für mich sehr wichtig und gut. Ich bin den Fans sehr dankbar, dass sie mich aufgrund meiner Zeit hier im Fußball immer noch so liebevoll empfangen.
Jochen: Mit Schalke 04 wurdest du deutscher Vizemeister. Du hat 14 Tore in 29 Spielen beigesteuert. War es eine gute Zeit auf Schalke?
Ailton: Alles gut, ich hatte bei Schalke ein sehr gutes Jahr, auch wenn es nicht so viele Titel wie bei Werder gab.
Jochen: In Deutschland bist du nach wie vor sehr populär, zuletzt hast du an der Show Let’s Dance teilgenommen. Hast du einen besonderen Instinkt für die Menschen?
Ailton: Einmal Kugelblitz, immer Kugelblitz! Ich glaube, dass ich in Deutschland ein sehr gutes Bild hinterlassen habe. Charismatisch, und ich habe immer viel Freude gezeigt. Deswegen möchte ich RTL auch danken, dass sie mir diese Möglichkeit gegeben haben.
Jochen: Du lebst mit deiner Familie in Dallas/Texas. Welche Sportart interessiert dich am meisten an deinem amerikanischen Wohnsitz?
Ailton: Ich mag immer schon Basketball, ein interessanter Sport. Aber Fußball wird für mich immer an erster Stelle stehen.
Jochen: Interessierst du dich auch für esports an der Konsole?
Ailton: Dafür habe ich keine Geduld.
Jochen: Du hast in Deutschland gespielt, während sich der deutsche Fußball nach dem Scheitern der EM 2004 im Wandel befand. Hast du Veränderungen erlebt, während du hier warst?
Ailton: Deutschland hat schon immer einen sehr guten Fußball gehabt. Wenn man dann einmal in einem Wettbewerb scheitert, dann setzt das Energien für den nächsten frei.
Jochen: Wie wichtig war die Zeit, in der Du in Mexiko gespielt hast, für Deine Karriere und welche Erinnerungen hast du an Inter in Porto Alegre?
Ailton: Das waren wunderbare Zeiten, in denen ich noch viel gelernt habe. In Mexiko war es gut, erste Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Aber es war dann doch nicht so gut wie in Deutschland.
Jochen: Woran lag es, nie für die brasilianische Nationalmannschaft spielen zu dürfen?
Ailton: Brasilien hatte schon immer sehr gute Nationalspieler und davon auch viele gute Stürmer. Gerade zu meiner Zeit gab es Top-Leute. Aber natürlich bin ich schon ein bisschen traurig, dass ich nie eingeladen wurde, zumal ich ja die Super-Zeit gerade bei Werder hatte. Aber es war sehr schwierig, einen Platz in der Selecao zu kriegen.
Jochen: Glaubst du, dass sich der Fußball von den Tagen, an denen du spieltest, bis heute verändert hat? Was hat sich verändert?
Ailton: Früher haben die Spieler mehr mit dem Herzen gespielt. Die Technik hat sich sehr stark weiterentwickelt. Früher wurden die Strategien auf dem Feld umgesetzt, heute haben die Spieler mehr Angst, sich etwas zu trauen und die Spielzüge zu Ende zu führen. Sie müssten einfach mal etwas frecher spielen.
Jochen: Was kannst du über den RB Leipzig sagen, der in der Bundesliga für Furore sorgt? Wohin könnte RB Leipzig in den nächsten Spielzeiten gelangen?
Ailton: RB Leipzig hat einen sehr guten Job in den vergangenen Jahren gemacht und ein gutes Team zusammengestellt. Wer für den Klub arbeitet, versteht auch was vom Fußball. Der Aufstieg des Klubs beeindruckt mich. Wenn die so weitermachen, dann können die noch weit kommen.
Jochen: Ailton, herzlichen Dank für das Gespräch.








