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Der offizielle Song der UEFA-Fußball-Europameisterschaft 2020, der Anfang des Monats bekannt gegeben wurde, ist eine Zusammenarbeit zwischen Martin Garrix und Bono sowie The Edge von U2. Da die Europameisterschaft in Spielstätten auf dem ganzen Kontinent ausgetragen wird, passt die epochen- und genreübergreifende internationale Zusammenarbeit sehr gut zur diesjährigen Umsetzung des pankontinentalen Wettbewerbs.

Wir werfen einen Blick auf jede offizielle Hymne zurück bis ins Jahr 1992 und schauen uns an, was jeden Song auf seine Weise erfolgreich und einzigartig macht. Indem Betway Sportwetten untersucht, welche Faktoren die einzelnen Produktionen miteinander verbinden, schlüsseln wir die Erfolgskriterien für jede Hymne auf Lyrischer Inhalt, Stil, etc.: Was macht eine erfolgreiche Hitformel aus?

1. Mehr als nur ein Spiel

Es ist wichtig zu erwähnen, dass wir ausschließlich über die offiziellen UEFA-Hymnen sprechen und nicht über die Lieder, die man unweigerlich mit großen Fußballturnieren in Verbindung bringt. Zum Beispiel war das kultige „Three Lions“ von Baddiel, Skinner and the Lightning Seeds nicht die offizielle Hymne der Euro 1996, sondern lediglich Englands Begleitsong für das Turnier. Stattdessen waren es Simply Red, die die offizielle Hymne für den Wettbewerb im Vereinten Königreich lieferten.

Anders als bei der Weltmeisterschaft, die seit 1962 bei jedem Turnier eine offizielle Hymne hat, wurden bei der Europameisterschaft erst 1992 eigene Hymnen eingeführt. Angesichts der steigenden Zuschauerzahlen und des wachsenden Interesses am Fußball wurde es von den Ausrichtern für sinnvoll erachtet, eine Hymne einzuführen, die als Prunkstück für die Eröffnungs- (oder Abschluss-) Zeremonie der Spiele dienen sollte.

Die Hymnen der Europameisterschaften sind ein wahrer Schmelztiegel und wurden über die Jahrzehntezu einem Karneval des europäischen Pops – reich an Extravaganzen, Pomp und Flair, vergleichbar mit einem anderen populären europäischen Wettbewerb, dem Eurovision Song Contest. 

2. Gemeinsamkeiten

In ihrer fast 30-jährigen Geschichte haben die Europameisterschaften Singer-Songwriter und Produzenten aus der ganzen Weltbekannte gemacht. Es begann 1992 mit Towe Jaarneks und Peter Jöbacks ABBA-ähnlichem „More than a game" und führte später zu Beiträgen von weltweit bekannten Künstlern wie Simply Red, Nelly Furtado, Enrique Iglesias, David Guetta sowie des schwedischen Euro-Pop-Sängers E-Type und der deutschen Popsängerin Oceana.

Jede Hymne war auf ihre eigene Art und Weise einzigartig und alle hatten unterschiedlichen Erfolg. Aber was haben sie gemeinsam?

Stichworte

Die Songs haben alle unterschiedliche thematische Inhalte. In einigen geht es um Sport allgemein, in anderen um den Wettbewerb im Speziellen. Das durchgängige Thema ist jedoch Einheit. Die Hymne von Simply Red aus dem Jahr 1996 und die von David Guetta aus dem Jahr 2016 haben sogar den gleichen Refrain: „We're in this together.“

Das Wort „Together“ ist auch das am häufigsten verwendete Wort in allen Hymnen, es taucht insgesamt über zwanzig Mal auf, gefolgt von den Worten „Play“ und „Game“.

Gemeinsame Sprache

Da alle Lieder auf Englisch gesungen werden (mit Ausnahme von „Força“ und „Campione 2000“, deren Refrains auf Portugiesisch bzw. Italienisch gesungen werden), fällt auch die Verwendung einer allgemein verständlichen Sprache mit bekannten Phrasen auf. Das macht natürlich Sinn, wenn man eine Hymne schreibt, die von allen Menschen auf dem Kontinent gehört und verstanden werden soll.

E-Types Refrain von „Campione, Olé, Olé, Olé“, einer Mischung aus internationalen Fußballgesängen, bedarf eigentlich keiner Übersetzung. „Força“, was auf Portugiesisch „Stärke“ bedeutet, hat einen starken Refrain, der es zu einem einfachen Song macht, den man mit seinen europäischen Nachbarn teilen kann. „Endless Summer“, ein englischer Song, der von einer deutschen Sängerin für das Turnier in Polen und der Ukraine geschrieben wurde, legt keinen großen Wert auf den lyrischen Inhalt, sondern verwendet stattdessen einsilbige Phrasen (viele „Ohs“ und „Yeahs“), die mit der schwungvollen und eingängigen Melodie des Songs harmonieren.

Song-Struktur

Wenn man die ersten beiden Hymnen ausklammert, ist jede Hymne im Durchschnitt zwischen 3:30 und 3:40 Minuten lang, mit einer durchschnittlichen BPM (Beats pro Minute) von 103 (wenn man sehr langsamen Song von Simply Red ausklammert,, liegt die durchschnittliche BPM bei 122). Was die Musikalität angeht, so sind die Songs gleichmäßig zwischen Dur und Moll aufgeteilt.

Jeder Song hält sich an die normale Songstruktur von Intro, Strophe, Refrain, Strophe, Refrain und Outro, mit ein paar kleinen Ausnahmen, zum Beispiel geht der Dancefloor-Track „Endless Summer“ direkt in den Refrain über, bevor er einer Strophe-Refrain-Struktur folgt.

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Schwedische Sänger

Obwohl Schweden nur einmal Gastgeber der Fußball-Europameisterschaft war, waren bisher vier schwedische Sängerinnen und Sänger für die Euro-Hymnen verantwortlich. Neben Towe Jaarnek und Peter Jöback, die 1992 die Eröffnungshymne präsentierten, sang Bo Martin Erik Erikson von E-Type beim Turnier 2000. Die schwedische Pop-Königin Zara Larsson arbeitete mit David Guetta für die Hymne "This One's For You" im Jahr 2016 zusammen. Ist das etwa die Geheimformel für eine erfolgreiche Hymne?

Fan-Beteiligung

Während der Pandemie hat dem Fußball vor allem eines gefehlt: Fans.. Fans gehören zum Fußball wie Sonne zum Strand – und das haben auch die Produzenten der Euro-Songs früh genug erkannt. Eine Sache, die „Campione 2000" zum absoluten Ohrwurm macht, ist der starke Unterton des Gesangs von den Rängen. Etwas, bei dem es einem schwer fällt, nicht mitzusingen. Gegen Ende des Songs „Força" kann man übrigens auch hören, wie die Menge den Gesang zusammen mit Furtado herausbrüllt.

David Guetta ging mit diesem Ansatz noch einen Schritt weiter. Um seinem Track ein besonders authentisches Fan-Feeling zu verleihen, rief der französische Produzent eine Million Fans dazu auf, ihre eigenen Vocals über eine eigens für den Track veröffentlichte App aufzunehmen. Die Gesänge, die gegen Ende des Tracks zu hören sind, geben dem Song ein authentisches Stadionfeeling. Das könnte auch den sensationellen Erfolg des Tracks erklären.

„Endless Summer" hat zwar keine Fan-Beteiligung, aber man kann sich gut vorstellen, wie die Fans den Song mitsingen. Das war es auch, was Singer-Songwriterin Oceana Mahlmann im Sinn hatte, als sie die Hymne schrieb. „Es muss etwas sein, das die Leute mitsingen“, sagt die deutsche Sängerin, wenn man sie nach dem Geheimnis fragt, was eine Fußballhymne auszeichnet.

3. „Endless Summer“

Es stellt sich also die Frage, wie ein Song zur Hymne einer UEFA-Fußball-Europameisterschaft wird?

Die deutsche Singer-Songwriterin Oceana Mahlmann befand sich in Großbritannien, um an ihrem zweiten Album zu arbeiten, als sie begann, den Song „Endless Summer“ zu schreiben. Während sie den ursprünglichen Song schrieb - eine Soul-Reggae-Nummer mit dem Namen „Sunshine Every Day“ - bemerkte ihr Studio-Team, wie ansteckend das mitsingbare Outro war. „Wir haben die Session-Aufnahme an meinen Manager geschickt und er sagte ,wow, das Outro klingt wie Fußball“", sagt Oceana.

Nachdem das Label den Song gehört hatte, schickten sie ihn an die UEFA zur Prüfung. Zu dieser Zeit nahm der Fußballverband Vorschläge und Ideen für die nächste Hymne für die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine entgegen. „Der ursprüngliche Song klang überhaupt nicht nach Fußball. Es war ein Liebes- und Sommerlied mit Dingen, die man in einem Fußballlied nicht sagen kann!“ sagt Oceana über das Original. Als sich die UEFA zurückmeldete und Interesse bekundete, trommelte Oceana ihr Team zusammen und ging zurück ins Studio, um etwas zu kreieren, das besser zu einem internationalen Sportwettbewerb passt. Etwas, das nach Fußball klingt.

„Ich habe buchstäblich ein Jahr an diesem Song gearbeitet, weil ich wusste, dass ich es mit einem bedeutenden Turnierformat zu tun hatte“, erklärt die deutsche Singer-Songwriterin den Prozess. Zunächst nahm sie die Hook des Songs, „Oh, oh, oh, yeah, yeah, yeah“, und machte daraus den jubelnden Refrain des Songs. Als Nächstes fügte sie ein Trompetensample der deutschen Band „Die Vögel“ hinzu und gab dem Song damit eine zweite Hook.

„Ich erinnere mich, dass mein Ziel damals war, dass der Song offen ist und nicht nur von Fußball handelt“, sagt Oceana. „Ich wollte dieses Gefühl einfangen, das man hat, wenn man im Sommer im Stadion ist... Es ist ein Stadionsong, ein Song für die Leute.“

Oceana hatte bereits Chart-Erfolge in Polen und der Ukraine erzielt. Mit ihrem neuen Song, der die Ideale des Fußballs verkörperte - nämlich die Menschen zu vereinen - war es genau der richtige Schritt, sie als Gesicht der Europameisterschaft 2012 zu haben. „Es muss nicht darum gehen, der Beste zu sein“, erklärt sie den Schlüssel zum Schreiben einer Sporthymne. „Ja, es muss ein Knaller sein, aber es muss auch etwas sein, das positiv und aufbauend ist.“ Mit dem Hit von 2012 noch immer im Kopf, hat Oceana diese Ideale in ihrer neuen Single „Champion“ verkörpert, die sie während des diesjährigen Turniers unabhängig vom Turnier veröffentlichen will.

4. Fußball-Fans mit Musik vereinen

Fußball und Musik zählen zu den wenigen Dinge, die viele Menschen zusammenbringen können, buchstäblich und metaphorisch. Deshalb ist es wichtig, dass die EM-Hymnen dieses Bedürfnis nach Einheit im Stil der Musik und, wenn möglich, in den Texten widerspiegeln.

Simply Red haben das schon 1996 verstanden. Ihr Song hat vielleicht nicht die Energie und den Pep, den die anderen Hymnen haben, aber Songwriter Mick Hucknall war definitiv auf den kulturellen Zeitgeist vorbereitet.

Nelly Furtado, deren Eltern ursprünglich aus Portugal stammen, besann sich auf ihre Wurzeln, als sie „Força“ schrieb. Der Song mit seinen folkigen Untertönen, den peppigen Percussions und dem markanten Refrain war ein großer Erfolg in Portugal und wurde zur Hymne der Portugiesen; ein Hit, der so kraftvoll war, dass er noch zwei Jahre später bei der Fußball-Weltmeisterschaft von den Fans gesungen wurde.

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Weniger gut lief es für Enrique Iglesias mit seiner Hymne für die Europameisterschaft von Österreich und der Schweiz, „Can You Hear Me“. Obwohl die Single Platz 17 in den österreichischen Single-Charts erreichte, erhielt der Song damals schlechte Kritiken. Nick Amies von der Deutschen Welle beschrieb ihn als „fade und nicht fußballerisch inspirierende, kommerzielle Ausverkaufssingle“. Amies argumentierte weiter, dass der Song der Europameisterschaft 2008 eigentlich "Seven Nation Army" von The White Stripes war, dessen dröhnende Bassline während des gesamten Turniers auf den Rängen gesungen wurde. „Es ist DER inoffizielle Titelsong der Euro 2008 und beweist, dass die Fans - und nicht die Anzugträger - wissen, was ein Fußballturnier ausmacht“, schrieb Amies damals über den Song.

Die Hymne von David Guetta und Zara Larsson schien genau das Richtige zu sein. Und das beweisen auch die Zahlen: Die Single wurde bis heute über 400 Millionen Mal auf Spotify angehört und erreichte Platz 1 in den französischen und deutschen Single-Charts. „This One's For You" war aufmunternd, positiv und brachte Fans aus der ganzen Welt dazu, den Refrain mitzusingen. Natürlich wurde sogar von einer schwedischen Künstlerin gesungen, dies scheint auch ein Teil des Charmes der Fußball-Europameisterschaften zu sein. David Guetta hat nicht nur verstanden, woraus eine gelungene Hymne für die EM besteht, nein, er hat auch eine Blaskapelle rekrutiert, um "Seven Nation Army" als Intro für seinen Auftritt bei der Abschlussfeier der Europameisterschaft 2016 zu spielen. Zu wissen, was die Menge will, war schon immer Teil der Arbeit eines guten DJs.

5. Wir sind das Publikum

Und damit zu Martin Garrix. Wie wird sich seine neue kollaborative Hymne bewähren?

Der Song hat alle Merkmale eines großen Songs, da er thematisch den modernen Zeitgeist einfängt und eine Welt der Hoffnung und Positivität beschreibt. Das ist ein Vibe, den wir jetzt brauchen.

In einem Online-Interview spricht Garrix über seine Einflüsse bei der Entstehung der Platte. „Wir haben uns sehr davon inspirieren lassen, wie wir uns beim Fußball fühlen und wie er die Menschen vereint, wie er sie zusammenbringt“, erklärt er. Aufmunternd, mit einem starken Tempo und großem Talent an Bord, ist es schwer vorstellbar, dass der Track nicht gut ankommt. Aber ist es etwas, bei dem die Fans mitsingen können?

Oceana glaubt, dass dieses Element in der neuen Hymne fehlt. „Es ist eher ein Song, den ich mir einfach nur anhören möchte“, sagt sie über die neue Fußball-Hymne.

Im Vergleich zu den Refrains vieler anderer EM-Songs fehlen Schlichtheit und die kulturelle Aussagekraft. Das könnte es für die Menschen schwierig machen, sich hinter die neue Hymne zu stellen. Selbst für U2s Verhältnisse hat die neue Single nicht den gleichen Stadion-Punch wie einige ihrer bekannteren Singles.

„Campione“ und „Força“ zum Beispiel waren Lieder für das Publikum und Lieder für das Stadion. Das waren tatsächliche Fußballlieder. Schlussendlich wird die Zeit zeigen, ob „We are the people" ein Lied für die Menschen ist.