Die Tour de France ist das wohl wichtigste Straßenradrennen des Planeten. Als mutmaßlich drittgrößtes Sportereignis der Welt, nach den Olympischen Spielen und der Fußball-Weltmeisterschaft, lockt sie jedes Jahr unzählige Fans an die Strecke und Millionen von Zuschauern vor den Fernseher. Angefangen hat alles jedoch als Marketing-Maßnahme einer Zeitschrift.

Um die Auflage zu steigern, denkt man bei der Sportzeitung L’Auto Ende 1902 über eine Frankreichrundfahrt nach. Ein paar Monate später wird die Idee in die Tat umgesetzt. Die erste Auflage der Tour de France findet im Juli 1903 statt mit sechs Etappen statt, zwischen denen mehrere Ruhetage liegen. Insgesamt 2,428 Kilometer müssen die Teilnehmer in relativ flachem Gelände bewältigen.

Die Teilnehmer, das sind noch keine durchtrainierten Athleten, sondern ein Haufen Haudegen, die trinken, rauchen und sich auf unbefestigten Straßen in die französischen Alpen stürzen. Oft lassen die Fahrer im Sattel vor einem Anstieg noch eine Zigarette kreisen – um die Lunge zu weiten. Bis in die 1960er Jahre hinein nimmt man gerne einen Schluck Alkohol, um die Leistung zu steigern und die Schmerzen zu lindern. Genauso wie mit den natürlichen Gegebenheiten haben die Radsportler mit Fans zu kämpfen, die auch mal den Weg blockieren, um ihrem Favoriten einen Vorteil zu verschaffen.

1904: Tour der Skandale

Nachdem die Premiere der Tour als Erfolg angesehen werden darf, ist die zweite Auflage im Jahr 1904 eine einzige Ansammlung von Skandalen. In Jean Fischers Getränk wird Abführmittel gemischt, in Henri Cornets Hühnchen Schlafmittel versteckt. Andere Fahrer werden durch Juckpulver im Trikot aus der Fassung gebracht. Sogar der Rahmen eines Rennrads wird angesägt, was in einem bösen Sturz mündet. Nägel auf der Straße tun ein Übriges, um einen geordneten Ablauf des Rennens zu verhindern. Fahrer werden disqualifiziert, weil sie zwischendurch auf Züge umsteigen. Noch gewitzter geht Hippolyte Aucouturier vor. Er lässt sich ziehen, indem er eine Leine an einem Auto befestigt und am anderen Ende einen Korken anbringt. Diesen packt er mit den Zähnen. Auf diese Weise holt sich Aucouturier seinen Geschwindigkeitsschub.

Noch dicker soll es ein halbes Jahr nach der Tour kommen. Eine Untersuchungskommission stellt fest, dass die ersten Vier, darunter Sieger und Titelverteidiger Maurice Garin, u. a. verbotene Absprachen vorgenommen haben. Am grünen Tisch wird Cornet – der mit dem Hühnchen – nachträglich zum Sieger erklärt. Bis heute ist er mit 19 Jahren der jüngste Tour-Gewinner. Garin soll übrigens schon 1903 Gegner vom Rad und Teilstrecken per Zug zurückgelegt haben, seinen Titel darf er aber behalten.
Allerdings wird auch Garin selbst übel mitgespielt. In Saint-Ètienne werden er und ein weiterer Teilnehmer von einem Mob aufgehalten, der Lokalmatador Antoine Fauré einen Zeitvorsprung verschaffen möchte. Es kommt zu wüsten Handgreiflichkeiten. Erst ein Warnschuss aus der Pistole von Tour-Begründer Géo Lefèvre löst den Tumult auf.

Mörderischer Anstieg

Eine der härtesten Herausforderungen wartet 1910 auf die Teilnehmer der Tour de France. Lediglich 40 von 110 Fahrern bewältigen die Etappe durch die Pyrenäen, bei der sie auf 326 Kilometern mehr als 5.000 Höhenmeter überwinden müssen. Etappensieger Octave Lapize überquert den Aubisque-Pass zu Fuß. Oben angekommen lässt er die Veranstalter wissen, was er von ihrer Streckenführung hält. „Sie sind Mörder!“, ruft völlig entkräftet. „Ja, Mörder!“

Für seinen Einsatz und Einfallsreichtum nicht belohnt wird Eugene Christophe 1913, ganz im Gegenteil: In Führung liegend bricht ihm die Vordergabel seines Rads. Zu Fuß erreicht er ein 14 Kilometer entferntes Dorf und macht sich daran, den Schaden in einer Schmiede eigenhändig zu beheben. Das Ziel erreicht er mit vier Stunden Rückstand. Dabei bleibt es allerdings nicht: Eine weitere Minute kommt als Strafe obendrauf, weil ein Junge den Blasebalg beim Schweißen bedient hatte. Fremde Hilfe jedoch ist nicht erlaubt…

Von einem tragischen Todesfall wird die Tour 1927 überschattet. Wenige Wochen vor ihrem Start findet man Ottavio Bottecchia, den Sieger von 1925 und 1926, blutüberströmt am Straßenrand. Ein paar Tage später erliegt er seinen Verletzungen im Krankenhaus. Die Theorien zu seinem Tod reichen von einem Sturz in Folge eines Hitzschlags bis hin zu einem Auftragsmord durch Faschisten. Erst Jahre später gesteht ein Bauer auf seinem Sterbebett, dass er den Champion dabei erwischt hat, wie er Trauben von seinem Weinberg stahl. Mit einem Steinwurf wollte er Bottecchia verscheuchen – traf diesen aber fatalerweise am Kopf.

Gewicht zum Mitnehmen1947 lässt sich Jean Robic etwas Besonderes einfallen, um seinen Nachteil an Größe und Gewicht den anderen Fahrern gegenüber auszugleichen. Auf jedem Gipfel lässt er sich von Mitgliedern seines Teams eine Flasche reichen. Allerdings tut er nur so, als würde er trinken. Was wohl auch gesünder ist: Die Flaschen sind mit Blei oder Quecksilber gefüllt. Das zusätzliche Gewicht lässt bergab höhere Geschwindigkeiten zu.

 

Die vielleicht bekannteste Anekdote der Tour de France ereignet sich 1950. Der Algerier Abdel-Kader Zaaf startet einen erfolgreichen Ausreißversuch und fährt einen Vorsprung von zehn Minuten heraus. Dann fällt er der erbarmungslosen Hitze zum Opfer. Er lässt sich eine Flasche reichen und stürzt den Inhalt herunter, in der Annahme, es handele sich um Wasser. Doch die Flasche enthält Weißwein. Andere Quellen behaupten, Zaaf hätte sich den Wein ganz bewusst in einem Wirtshaus gekauft. Seinen Rausch schläft er jedenfalls anschließend unter einem Baum aus, bis ihn Zuschauer wecken. Das Feld ist längst vorbei. Der Algerier schwingt sich aufs Rad, tritt in die Pedale – und wählt die falsche Richtung, zurück zum Start.

Verlieren durch Frisur

Die knappste Entscheidung über den Toursieg fällt 1989. Mit 50 Sekunden Vorsprung geht Laurent Fignon in das abschließende Einzelzeitfahren über 24,5 Kilometer. Den Sieg aber trägt Greg LeMond davon, im Ziel hat er Fignon um acht Sekunden hinter sich gelassen. Warum? Viele Experten meinen, es läge an dessen Frisur. Fignons Pferdeschwanz hätte aerodynamisch gesehen zu viele Nachteile mit sich gebracht. So kann LeMond – mit aerodynamischem Lenker und Helm ausgestattet – am Ende triumphieren.

 

Hier geht's zu den Betway Sportwetten. Sichere dir bis zu 100€ Willkommensbonus! Konditionen gelten.

Lade dir direkt die Betway Sportwetten App herunter und genieße die volle Welt der Sportwetten mit Betway.