Innerhalb einer Saison hat sich Eintracht Frankfurt national wie international zur Sensationsmannschaft gemausert. Doch kurz vor der Ziellinie geht den „Adlern“ womöglich die Luft aus. Das Rückspiel im Halbfinale der Europa League könnte nachträglich zum Endspiel um Europa werden.
Als Eintracht Frankfurt in der ersten Runde des diesjährigen DFB-Pokals an der Titelverteidigung scheiterte, war die Häme groß. Dabei kam das Ausscheiden wenig überraschend. Sicher weniger als der Titelgewinn gegen den großen FC Bayern München im Vorjahr.
Mit neuem Trainer und umgebautem Kader tat sich der Pokalsieger selbstverständlich schwer. Das 1:2 gegen den Viertligisten aus Ulm war sicher trotzdem peinlich, aber Teil des Prozesses der Frankfurter.
Von Deutschlands Lachnummer zum internationalen Aushängeschild
Der führte nach misslungenem Saisonbeginn und dem zwischenzeitlich 15. Bundesliga-Tabellenrang national auf die Champions-League-Plätze und international ins Halbfinale der UEFA Europa League.
Der Weg dorthin beinhaltete von knappen Partien bis Gala-Vorstellungen die gesamte Palette dessen, was Fußball zu einer der beliebtesten Sportarten der Welt macht. Insbesondere aber das harte Spiel der „Adler“ und die emotionale Unterstützung der eigenen Fankurve ließ und lässt ganz Frankfurt auf den zweiten internationalen Titel nach 1979/80 hoffen.
Erfolgreich dank Tor-Trio
Wie in der Bundesliga konnte sich die SGE dabei auch in der Europa League auf ihr supereffektives Offensiv-Trio verlassen. Ante Rebic, Sébastian Haller und Luka Jovic erzielten zusammen auf dem Weg ins nun entscheidende Rückspiel gegen den FC Chelsea zu dritt 15 Tore – mehr als die Hälfte aller Treffer der Hessen (30).
Leistungen wie diese weckten jedoch Begehrlichkeiten bei den ganz großen europäischen Klubs. Insbesondere der erst 21-jährige Jovic war fortan auf sämtlichen Wunschzetteln internationaler Top-Klubs zu finden, soll laut Informationen der Sportzeitung „AS“ für 60 Millionen Euro mit Real Madrid einig sein. Kroate Rebic wurde indes häufiger mit Ex-Coach, Landsmann und Bayern-Trainer Nico Kovac in Verbindung gebracht.
Eintracht Frankfurt und die Europa League – Jetzt oder nie?
Es ist also durchaus möglich, dass die erfolgreiche Elf der laufenden Saison im Sommer auseinanderbricht. Wer gerade die Top-Angreifer der Eintracht dann ersetzt, ist ungewiss. Ein Einzug ins Finale der Europa League, nein, der Titelgewinn wäre nicht nur die Krönung einer außergewöhnlichen Spielzeit. Er wäre gleichbedeutend mit neuen Argumenten, Leistungsträger länger an sich zu binden.
Scheidet Frankfurt im Halbfinale aus, war der Lauf der Schwarz-Weißen trotzdem sensationell, nur haben sich die Hessen dann womöglich verzockt. Denn in der Bundesliga ging dem Team von Trainer Adi Hütter zuletzt ein wenig die Puste aus.
Zukunft ohne Europa noch möglich
Mit nur zwei Punkten aus den letzten vier Spielen ließen die „Adler“ die Bundesliga-Konkurrenz um die europäischen Ränge gefährlich nah an sich heranrücken. Nur mehr drei Punkte trennen Eintracht Frankfurt vom achten Platz und dem damit einhergehenden Verpassen des internationalen Geschäfts. Zudem wartet am letzten Liga-Spieltag auch noch Rekordmeister FC Bayern.
So gut, so überraschend fantastisch die Saison des Frankfurter bis hierhin lief, so bitter könnte sie noch enden. Unerwartet viel steht dementsprechend am Donnerstag in London auf dem Spiel.
Hoffnung für die Eintracht
Immerhin: Einige Dinge sprechen für einen Erfolg des Bundesligisten. Zum einen wird das Spiel von Rumäne Ovidiu Alin Hategan gepfiffen – Der Unparteiische hatte schon den 1:0-Achtelfinal-Triumph über Inter Mailand geleitet. Ebenso wie nun im Halbfinale hatte Frankfurt das Hinspiel seinerzeit zu Hause nur mit einem Unentschieden beenden können, dann aber auswärts gewonnen.
Ohnehin scheint die Eintracht ein Team für die Rückspiele zu sein: Jede K.O.-Runde der diesjährigen Europa League konnte die SGE erst im Rückspiel zu ihren Gunsten drehen. Der FC Chelsea hingegen schied das letzte Mal, als er international in einer solchen Situation im Hinspiel nicht über ein Remis hinausgekommen war, im Rückspiel aus (2014/15).
Am Ende gibt es für die Frankfurter Sensationsmannschaft also durchaus Grund zum Optimismus. Trotzdem müssen Hütter und Co. aufpassen, um am Ende nicht mit gänzlich leeren Händen dazustehen.
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