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Champions League: It’s a Klassiker

06 Feb | BY Michael Siedenhans | MIN READ TIME |
Champions League: It’s a Klassiker

Deutsche und englische Mannschaften waren schon immer Rivalen in der Champions League und im Europapokal der Landesmeister. Viele Spiele waren Dramen bis zum Abpfiff, bis zum letzten Elfmeter oder bis eine Münze über Sieg oder Niederlage entschied. Betway blickt zurück auf historische deutsch-englische Duelle in der Königsklasse.

1. FC Köln – FC Liverpool 2:2 n.V. (24. März 1965/Viertelfinale):

Manchmal geschehen im Fußball Dinge, die später legendär werden – hoffentlich auch beim Champions League Finalturnier 2020, auf das ihr bei Betway Sportwetten tippen könnt. Ein Münzwurf wird dann aber sicher nicht über Sieg oder Niederlage entscheiden. Anders verhielt es sich am 24. März 1965. Nachdem sich der deutsche Meister 1. FC Köln und der englische Meister FC Liverpool im Viertelfinale des Europapokals der Landesmeister im Hin- und Rückspiel ein packendes, aber torloses Duell geliefert hatten, setzte die UEFA ein Entscheidungsspiel auf neutralem Boden in Rotterdam an. Auf den Rängen des „de Kuip“ waren 20.000 Kölner Fans Augenzeuge einer unvergessenen Nacht: Das Starensemble aus der Premier League lag schnell mit 2:0 durch Tore von Ian St. John und Roger Hunt vorn – auch dadurch begünstigt, dass Köln zwischenzeitlich mit zehn Mann spielen musste (Wolfgang Weber erlitt einen Wadenbeinbruch). Dennoch gelang Kölns Karl-Heinz Thielen vor der Pause das 1:2. Kurz nach Wiederanpfiff traf Hannes Löhr per Distanzschuss zum 2:2. Es sollte der letzte Treffer in dem hart umkämpften Match bleiben. Auch in der Verlängerung gelang beiden Mannschaften auf dem schlammigen Untergrund kein Tor mehr. Elfmeterschießen gab es noch nicht, der Sieger musste per Münzwurf ermittelt werden. Der belgische Schiedsrichter Robert Schaut nutzte dazu eine kleine Holzscheibe und warf sie vor den Augen der beiden Kapitäne, Hans Sturm und Ron Yeats, in die Luft. Die Scheibe blieb jedoch senkrecht im Morast stecken. Nach dem zweiten Wurf zeigte die Scheibe dann rot. Dadurch gewann Liverpool, Köln war ausgeschieden, ohne sportlich verloren zu haben. Der Zufall wollte es so.

Betway Insider:
Der belgische Schiedsrichter Schaut entschied vor dem Münzwurf selbst, welche Farbe für welche Mannschaft galt, statt wie üblich dieses den Mannschaftskapitänen zu überlassen.

FC Bayern München – Leeds United 2:0 (28. Mai 1975/Finale):

„Wir werden die Bayern niederwalzen“, sagte Uniteds Kapitän Billy Bremner vor dem Finale im Europapokal der Landesmeister im Pariser Prinzenparkstadion. So sah es zunächst auch aus: Terry Yorath verletzte den Münchner Björn Andersson schwer. Der Schwede musste mit Schien- und Wadenbeinbruch vom Platz getragen werden. Kurz vor der Pause erwischte es auch Uli Hoeneß nach einer Blutgrätsche von Frank Gray. Doch Leeds war nicht nur die härtere, sondern auch die bessere Mannschaft und erzielte Mitte der zweiten Halbzeit ein Tor, das der französische Schiedsrichter aber wegen einer Abseitsstellung von Bremner nicht anerkannte. Zuvor hatte der Schiri den Engländern schon einen klaren Elfmeter verweigert. Die Engländer waren darüber so erbost und schließlich so unkonzentriert, dass Franz Roth und Gerd Müller wie aus dem Nichts in den letzten zwanzig Minuten zwei Tore erzielten und den zweiten von drei Titeln in Folge (Saisons 1974–1976) holten – für viele die Geburtsstunde des FC Bayern Dusels.

Die Fans von Leeds United fühlten sich vom Schiedsrichter betrogen und wüteten zunächst im Prinzenpark, später in Paris und nachts vor der Fähre in Calais. Die UEFA debattierte daraufhin, ob sie auf internationale Wettbewerbe für Klubs nicht komplett verzichten sollte.

FC Liverpool – Borussia Mönchengladbach 3:1 (25. Mai 1977/Finale):

Zwei Jahre später standen sich erneut zwei Teams aus Deutschland und England im Endspiel um den Europapokal der Landesmeister gegenüber: FC Liverpool und Borussia Mönchengladbach. Die Fohlenelf war mit Spielern wie Jupp Heynckes, Allan Simonsen, Rainer Bonhof, Berti Vogts und Uli Stielike neben Bayern München die stilprägende Mannschaft der 1970er-Jahre in Deutschland. Gegen den FC Liverpool reichte es jedoch nicht zum großen Coup. Vier Tage, nachdem sich die Borussen ihre vierte Meisterschaft in der Bundesliga-Saison gesichert hatten, waren sie den Engländern körperlich unterlegen. „The Mighty Mouse“ Kevin Keegan war von Berti Vogts nie zu bremsen. Liverpool ging durch Terry McDermott in Führung. Der Ausgleich durch Simonsen schockierte die „Reds“ kein bisschen. Sie setzten ihre Angriffe fort und wurden durch zwei Tore belohnt – das letzte fiel sieben Minuten vor dem Abpfiff durch einen Elfmeter von Phil Neal, nachdem Keegan von Vogts im Strafraum gefoult wurde. „Wir hätten heute Abend Bestform erreichen müssen, um den FC Liverpool zu schlagen, aber die hatten wir leider nicht“, sage Gladbachs Kapitän Vogts nach dem Spiel.

Nach dem Europapokalsieg wechselte Kevin Keegan zum Hamburger SV, mit dem er 1979 Deutscher Meister wurde und 1980 erneut im Europapokalfinale stand.

Nottingham Forest – Hamburger SV 1:0 (28. Mai 1980/Finale):

Das nächste deutsch-englische Finale: In Hamburg hatte Trainer Branko Zebec um Felix Magath, Kevin Keegan und Horst Hrubesch eine Topmannschaft geformt, die schon im Halbfinale gegen Real Madrid Geschichte geschrieben hatte: Nach einer 0:2-Hinspielniederlage besiegten die Norddeutschen im heimischen Volksparkstadion die Madrilenen mit 5:1 und standen erstmals im Finale des Wettbewerbs der Landesmeister. Dort wartete Titelverteidiger Nottingham Forest mit seinem eigenwilligen Trainer Brian Clough. In Nottinghams Startelf standen acht Spieler, die schon im Finale 1979 gespielt hatten, darunter Torhüter Peter Shilton, Verteidiger Viv Anderson, Mittelfeldspieler Martin O’Neill und Stürmer Trevor Francis. Das Team aus den Midlands galt als Favorit und bestätigte das auch, als man in der 21. Minute durch John Robertson in Führung ging. Danach drehten die Hamburger das Spiel und bestimmten die Partie klar. Immer wieder kamen sie zu guten Chancen. Ein Abseitstor von Willi Reimann wurde aberkannt, ein Schuss von Manfred Kaltz knallte an den Pfosten. Die Engländer verteidigten nur noch. Aber mit einem überragenden Peter Shilton rettete Forest das 1:0 über die Zeit.

Nottingham Forest ist das einzige Team, das den Europapokal der Landesmeister öfter gewann als die nationale Meisterschaft.

Aston Villa – FC Bayern München 1:0 (26. Mai 1982/Finale):

Zum vierten Mal stand der FC Bayern 1982 im Finale des Europapokals der Landesmeister, zum ersten Mal verließen sie den Platz als Verlierer. Gegen den englischen Meister Aston Villa dominierten die Bayern im Feyenoord-Stadion von Rotterdam die Partie, doch das Sturmduo Karl-Heinz Rummenigge und Dieter Hoeneß traf das Tor nicht. Besser machte es Peter Withe, der die Engländer nach 67 Minuten in Führung brachte. Kurz vor Schluss dann doch noch ein Tor von Hoeneß, der Schiedsrichter gab allerdings den regulären Treffer nicht und Villa sicherte sich den Cup. Manche sprachen von der verspäteten Rache für Leeds 1975.

Torschütze Peter Withe war nach seiner aktiven Laufbahn Nationaltrainer von Thailand und Indonesien.

Manchester United – Borussia Dortmund 0:1 (23. April 1997, Halbfinale):

„Jürgen Kohler, Fußballgott!“, riefen die BVB-Fans ehrfurchtsvoll nach dem Schlusspfiff. Der Eisenfuß stand im Zenit seiner Karriere. Borussia Dortmund führte nach dem 1:0 im Hinspiel auch in Old Trafford durch einen frühen Treffer von Lars Ricken, als Eric Cantona aus drei Metern frei zum Schuss kam. Kohler lag bereits am Boden, doch der Dortmunder Abwehrrecke kratzte den Ball noch mit der Schuhsohle von der Linie – der Top-Favorit der Champions League war geschlagen. Und Kohler, der während des gesamten Einsatzes unter Magenkrämpfen litt, absolvierte das Spiel seines Lebens und wurde zur Dortmunder Legende.

Jürgen Kohler feierte 2019 als Trainer der A-Jugend von Viktoria Köln die Meisterschaft in der Mittelrheinliga. Damit schaffte das Team den Aufstieg in die A-Junioren-Bundesliga.

Manchester United – Bayern München 2:1 (26. Mai 1999, Finale):

Es ist die legendärste Schlussphase in der Champions League Historie: 1:0 führten die Bayern bereits nach vier Minuten im Camp Nou in Barcelona durch einen Freistoß von „Super-Mario“ Basler. Zweimal scheiterte der FC Bayern später noch am Aluminium, dann neigte sich die Partie dem Ende entgegen – und es wurde dramatisch! In der 91. Minute muss der für Lothar Matthäus eingewechselte Thorsten Fink den Ball nach einer Ecke nur aus der Gefahrenzone dreschen, doch der Rettungsversuch landet bei Ryan Giggs. Der haut den Ball nach vorne, und Teddy Sheringham staubt ab: Ausgleich! Keine zwei Minuten später die nächste Ecke: Von David Beckham fliegt der Ball über Teddy Sheringham zu Ole Gunnar Solskjær, und der Norweger lässt Oliver Kahn keine Chance. Innerhalb von 103 Sekunden hatte ManU das Spiel gedreht! Emotionaler kann Fußball nicht sein. „Football, bloody hell“, stammelte Trainer Alex Ferguson nach dem Abpfiff.

Auf der Bayern-Bank wurden ab der 90. Minute die Siegerkappen verteilt, der ausgewechselte Torschütze Mario Basler trug bereits eine. UEFA-Präsident Lennart Johannson bekam das spektakuläre Ende gar nicht mit. Er war gerade unterwegs in den Katakomben des Stadions zur Pokalübergabe.

Manchester United – Bayern München 3:2 (7. April 2010, Viertelfinale):

2:1 hatten die Bayern das Hinspiel durch einen Treffer von Ivica Olic in der Nachspielzeit gewonnen. Im Rückspiel drehten die Red Devils so richtig auf. Darron Gibson und zweimal Nani jeweils auf Vorlage von Antonio Valencia sorgten bis zur 41. Minute für einen 3:0-Vorsprung. Kurz vor der Pause verkürzte Olic auf 1:3. Was dann passierte, sollte stilprägend für eine Ära sein. 74. Minute: Ecke Franck Ribéry, Volleyabnahme Arjen Robben. Der Ball schlug im langen Eck unhaltbar für Edwin van der Sar zum entscheidenden Auswärtstreffer ein. Diesem wunderschönen Tor sollten noch etliche Kooperationen des Franzosen und des Holländers folgen.

Arjen Robben sollte zum Zeitpunkt des Tores eigentlich gar nicht mehr auf dem Platz stehen. Er hatte Wadenprobleme und sollte ausgewechselt werden. Doch er biss auf die Zähne – und traf.

FC Chelsea – Bayern München 4:3 n. E. (19. Mai 2012, Finale):

Was hatte sich der FC Bayern München auf sein “Finale dahoam” gefreut. Denn die Saison war verkorkst: in der Bundesliga nur Zweiter, im Endspiel des DFB-Pokals mit 2:5 von Dortmund gedemütigt. Gegen den FC Chelsea sollte der ersehnte Champions League Titel her. Und es schien alles nach Plan zu laufen, die Bayern hatten Chancen zuhauf, und Thomas Müller schoss in der 83. Minute endlich zur Führung ein. Doch Didier Drogba gelang kurz vor Schluss der Ausgleich, und in der Verlängerung scheiterte Arjen Robben sogar noch mit einem Elfmeter an Petr Čech. Es ging ins Elfmeterschießen. Nachdem Juan Mata für Chelsea und der Münchener Ivica Olic scheiterten, trat Bastian Schweinsteiger an den Punkt. Čech lenkte den Ball an den Pfosten, und Drogba machte dann für Chelsea alles klar. Eine weitere bittere Niederlage für die Bayern gegen einen englischen Klub im Champions League Finale.

Im Elfmeterschießen trat als dritter Schütze bei den Bayern Torwart Manuel Neuer an. Er sprang ein, weil der Ukrainer Anatoly Timoschtschuk sich nicht traute. Der Bayern-Keeper verwandelte souverän, was am Ende aber nicht half.

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Michael Siedenhans

Michael Siedenhans

Gefürchteter linker Außenflitzer auf den Hartplätzen der Kreisklassen, bevor er seine Karriere als Journalist gestartet hat und seitdem über Fußballweltmeisterschaften und Olympische Spiele berichtet.

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Gefürchteter linker Außenflitzer auf den Hartplätzen der Kreisklassen, bevor er seine Karriere als Journalist gestartet hat und seitdem über Fußballweltmeisterschaften und Olympische Spiele berichtet.