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Castro: "Es war eine sehr bewegte, herausfordernde und schöne Zeit"

20 May | BY Betway Insider | MIN READ TIME |
Castro: "Es war eine sehr bewegte, herausfordernde und schöne Zeit"

Günther Schäfer, Peter Reichert und Gonzalo Castro - drei große Namen in der Geschichte des VfB Stuttgart. Betway Insider hat sich mit den drei Vereinslegenden über die Entwicklung des Fußballs über die Jahre, die Nachwuchsarbeit und Zukunftspläne unterhalten.

Dieses Interview wurde in Kooperation mit Betway Sportwetten, dem offiziellen Sportwettenpartner des VfB Stuttgart, organisiert.

Herr Castro, zunächst möchte ich Sie noch einmal zu über 400 Bundesligaspielen in Ihrer Karriere beglückwünschen. Unter den aktiven Spielern haben lediglich Manuel Neuer und Christian Gentner diese Marke erreicht. Was bedeutet Ihnen dieser Wert?

Castro: Vielen Dank. Ich bin stolz darauf, so eine Marke geknackt zu haben. Denn es ist im Vergleich zu früher vielleicht nicht mehr ganz so einfach, eine so hohe Zahl an Spielen zu absolvieren.

Herr Schäfer, Sie haben diese Marke nicht ganz knacken können. 373 Bundesligaspiele stehen auf Ihrer Habenseite. Wie schwer ist es diese Marke zu knacken und was wollen Sie Herrn Castro zu dieser Leistung sagen?

Schäfer: Auch ich bin sehr zufrieden und stolz darauf, so viele Spiele gemacht zu haben. Dafür habe ich viel in Kauf genommen, habe auch viel auf die Zähne gebissen, wenn ich beispielsweise wegen einer kleineren Verletzung besser hätte pausieren sollen. Doch das war nicht meine Art. Ich habe immer alles für mein Team gegeben, auch wenn es weh getan hat.

Herr Reichert, auch Sie können auf eine lange Karriere in der Bundesliga zurückblicken, waren aber auch für einige Jahre in Frankreich unter Vertrag. Was ist Ihrer Meinung nach das Geheimrezept dafür, so lange auf höchstem Niveau Fußball spielen zu können?

Reichert: Zuerst einmal muss man auch das Glück haben, weitestgehend von Verletzungen verschont zu bleiben. Und dann ist es sicherlich auch noch wichtig, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und den richtigen Trainer zu haben, der auf einen setzt. Es sind also insgesamt viele verschiedene Faktoren, die eine Rolle spielen.

Ist es für Sie eine Genugtuung, dass Sie beide im Gegensatz zu Herrn Castro zumindest einmal die Meisterschale gen Himmel recken konnten? Herr Schäfer, Sie hatten sogar zwei Mal die Ehre. (Scherzfrage)

Schäfer: Da gibt es natürlich keine Häme. Gonzo hat auch herausragende Erfolge wie den DFB-Pokal-Sieg mit Borussia Dortmund feiern dürfen.

Seit Ihrem Bundesligadebüt im Januar 2005 sind 16 Jahre vergangen. Damals standen Sie mit Spielern wie Bernd Schneider, Jens Nowotny oder Carsten Ramelow auf dem Platz. Inwieweit hat sich die Bundesliga im Verlauf Ihrer Karriere verändert?

Castro: Das Spiel ist schneller geworden. Zudem setzen viele Teams mehr auf den Nachwuchs. Da fühlt man sich mit seinen 30 Jahren manchmal schon ziemlich alt (lacht).

Ihr Debüt liegt noch ein bisschen länger zurück. Herr Schäfer, sie bestritten Ihr erstes Bundesligaspiel in der Saison 80/81. Herr Reichert, Sie eine Saison später. Inwiefern hat sich der Fußball von damals im Vergleich zu heute verändert?

Reichert: Wie Gonzo schon gesagt hat, das Spiel ist anders geworden, technisch anspruchsvoller. Früher spielte die Physis eine größere Rolle, es ging wahrscheinlich auch einen Tick härter zur Sache, aber deshalb nicht unfair. Da lagen die Spieler bei kleineren Fouls nicht so lange und so oft auf dem Boden wie heute.

Wer war Ihr stärkster Gegenspieler in Ihren 16 Jahren Profifußball?

Castro: Ich hatte in Leverkusen hervorragende Mitspieler wie Bernd Schneider oder Dimitar Berbatov, gegen die hätte ich nicht gerne gespielt. Ansonsten gab es viele gute Gegenspieler, da ich ja auch auf verschiedenen Positionen gespielt habe.

Herr Schäfer wer war Ihr stärkster Gegenspieler in Ihrer Karriere?

Schäfer: Da gab es wirklich viele gute Spieler, ein Stürmer wie Karl-Heinz Riedle, der unglaublich kopfballstark war oder ein Wolfram Wuttke im Mittelfeld, der am Ball fast alles konnte.

Sie sind seit Sommer Kapitän. Was bedeutet Ihnen das persönlich?

Castro: Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass der Trainer mir das Vertrauen für das Kapitänsamt ausgesprochen hat. Der VfB ist ein bedeutender Traditionsverein und die Binde bei solch einem Verein zu tragen, erfüllt einen zusätzlich mit Stolz.

Welche Attribute zeichnen Herrn Castro als Führungsspieler aus?

Reichert: Gonzalo bringt Erfahrung aus über 400 Pflichtspielen mit und kennt die Bundesliga bestens. Er bringt seine Leistung, ist kein Lautsprecher, kann aber Themen in der Mannschaft klar ansprechen und füllt seine Rolle auch als Ratgeber für die jüngeren Spieler bestens aus.

Welchen Rat geben Sie mit Ihrer Erfahrung jüngeren Spielern mit, insbesondere, wenn sich die Mannschaft in weniger ruhigen Phasen befindet und es mal nicht so läuft?

Castro: Es klingt manchmal einfacher als es ist, aber man muss versuchen die Ruhe zu bewahren und weiter akribisch arbeiten. Es gibt immer mal Phasen, die nicht so gut sein werden. Dann aber in Aktionismus zu verfallen bringt nichts.

Auch Sie beide können mit Ihrer langjährigen Erfahrung den jungen Spielern mit Sicherheit einen guten Tipp geben, im Fall, dass es mal nicht so läuft?

Schäfer: Der Fokus muss auf dem Fußball liegen, dem täglichen Training samt den Dingen, die notwendig sind, damit man seinen Job als Fußballer professionell ausführt. Das steigert die Wahrscheinlichkeit, dass man durch schlechtere Phasen kommt und am Ende gestärkt daraus hervorgeht.

Ab welchem Zeitpunkt war man zu Ihrer Zeit als Profi ein Führungsspieler in der Mannschaft? War das Alter das einzige Kriterium oder konnte man sich durch gute Leistungen und Persönlichkeit auch bereits in jungen Jahren bei den älteren Spielern Respekt verschaffen?

Reichert: Respekt hat man sich als junger Spieler erst einmal dadurch verschafft, dass man nicht durch Worte, sondern durch Taten und Leistung auf dem Platz aufgefallen ist. Die Hierarchien waren klar, die jüngeren Spieler hatten sehr wenig zu sagen. Da war es noch selbstvertändlich, die Koffer vom Mannschaftsbus bei Spielen in die Kabine oder die Trainingsgeräte zum Platz zu tragen (lacht).

In Ihrer Zeit in Stuttgart ist es Ihnen bestimmt nicht langweilig geworden. Abstieg nach der ersten Saison, dann der direkte Wiederaufstieg. Mittlerweile sorgen Sie mit einer sehr jungen Mannschaft für Aufsehen. Was nehmen Sie aus dieser Zeit mit?

Castro: Es war bisher eine sehr bewegte, herausfordernde und auch schöne Zeit. Der ganz bittere Abstieg in die 2. Liga, der direkte Aufstieg in der Corona-Pandemie ohne Zuschauer und jetzt die erfolgreiche laufende Saison mit unserer sehr jungen Mannschaft, die uns nur die wenigsten zugetraut haben.

Warum denken Sie, dass diese junge Stuttgarter Mannschaft so eine gute Rolle spielt? Ich erinnere mich hier unter anderem an die starken Auftritte in Dortmund und auch in München.

Castro: Wir haben einen klaren Plan, wie wir spielen wollen. Den haben wir über die gesamte Saison gut durchgezogen, auch wenn natürlich nicht alle Spiele erfolgreich verlaufen sind. Viele Spieler im Kader haben sich sehr gut und vielleicht auch schneller als gedacht entwickelt. Wir haben einen tollen Zusammenhalt im Kader. Das hat sich in einigen Spielen gezeigt, in denen wir in Rückstand geraten und wieder zurückgekommen sind.

Die Jugendarbeit in Stuttgart hatte schon immer einen hervorragenden Ruf. Spieler wie Kimmich, Gnabry und Werner wurden in Ihren Reihen ausgebildet. Auch Sie waren lange Jahre in die Jugendarbeit beim VfB eingebunden. Sie muss es doch besonders freuen, dass der VfB mit so einer jungen Mannschaft erfolgreichen Fußball spielt?

Schäfer: Ich arbeite sehr gerne mit jungen Spielern zusammen. Es ist natürlich besonders schön, wenn viele Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in einer erfolgreichen Mannschaft integriert sind. Das ist aber auch zugleich sehr schwer, denn die Top-Talente bleiben auch anderen Vereinen nicht verborgen und es ist nicht immer einfach, diese dann beim eigenen Verein zu halten. Das hat schon die Vergangenheit gezeigt.

Ich habe in einem Interview gelesen, dass Sie gerne über das Saisonende hinaus weitermachen würden. Wie können Sie sich nach all den Jahren noch so sehr für den Sport motivieren? Welche Ziele verfolgen Sie für Ihre Karriere noch, was wollen Sie unbedingt erreichen?

Castro: Ich fühle mich fit und habe noch viel Spaß am Fußballspielen, deshalb möchte ich gerne  weitermachen. Wo das sein wird, steht noch nicht fest. Ziele setze ich mir nicht mehr, entscheidend ist es, frei von Verletzungen zu bleiben.

Wie war das damals bei Ihnen? War es ab einem gewissen Alter schwierig, sich für das tägliche Training und die Spiele zu motivieren?

Reichert: Für das Training vielleicht ab einem gewissen Zeitpunkt mehr als für die Spiele (lacht).

Haben Sie eventuell bereits Pläne für nach der Karriere?

Castro: Wir werden als Familie wieder zurück in Leverkusen sein. Alles andere wird sich zu gegebener Zeit konkretisieren.

Wie geht es für Sie beide im Fußball weiter? Irgendwelche Pläne?

Schäfer: Wir haben für jeden Tag einen Plan (lacht). Wir sind für das Team-Management beim VfB zuständig. Die Corona-Pandemie bedeutet in der Organisation eine große Herausforderung und noch ist das Ende der Pandemie leider nicht absehbar. Wir haben großen Spaß an unserer Arbeit, deshalb gibt es noch keine Pläne für die Zeit danach.

Vielen Dank für Ihre Zeit und das Interview.

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