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Lukas Rupp von Norwich im Exklusiv-Interview: „Das wird echt brutal“

17 Feb | BY Ernesto Germany | MIN READ TIME |
Lukas Rupp von Norwich im Exklusiv-Interview: „Das wird echt brutal“

Norwich City ist die erste Karrierestation im Ausland für Lukas Rupp. Im Interview hat der Mittelfeldmann über die Wohnungssuche, vermeintliche Abstiegsängste und das harte Training unter Daniel Farke gesprochen.

Dieses Interview wurde in Kooperation mit dem Norwich-Sponsor Betway Sportwetten organisiert.

Lukas Rupp, Du bist jetzt 29. Wie schwer ist es Dir gefallen, Deutschland zum ersten Mal in deiner Karriere zu verlassen?

Lukas Rupp: Ehrlich gesagt ist mir das gar nicht schwer gefallen. In den Jahren davor gab es auch Interessenten aus England, da habe ich schon mit dem Gedanken gespielt. Für mich war es jetzt einfach der richtige Moment. Ich wollte den Schritt unbedingt machen und bin froh, dass es geklappt hat.

Du bist jetzt seit etwas mehr als zwei Wochen in England. Wie verläuft die Eingewöhnung bisher?

Mit dem Wechsel ging alles sehr schnell, deswegen hatte ich bisher gar nicht viel Zeit, um darüber nachzudenken. Ich wohne aktuell auch noch im Hotel. Eine Wohnung habe ich noch nicht gefunden, weil es mir schon wichtig ist, mich wohlzufühlen.

Was brauchst Du, um dich wohlzufühlen?

Für mich ist die Lage auf jeden Fall wichtig. Ich will nicht ewig zum Training fahren müssen, länger als 20 Minuten sollten es nicht sein. Da ich allein nach Norwich gekommen bin, sollte es schon auch ein bisschen zentral sein. Damit ich nicht die langen Wege habe, wenn ich mal in die Stadt möchte. Platz brauche ich auch, weil meine Familie oft zu Besuch ist. Mein Bruder wohnt mit seiner Familie in London, der wird dann auch öfters da sein.

Sitzt Du dann selbst abends bei Immobilienscout oder gibt’s da jemanden im Verein, der sich für dich darum kümmert?

Hier heißt es nicht Immobilienscout, hier heißt es Rightmove. Ich bin da selbst unterwegs, aber es gibt hier auch einen Player Service, der das macht. Von Mitspielern habe ich schon Kontakte bekommen. Es wissen also einige Bescheid, dass ich suche. Ich werde mir demnächst wieder ein paar Sachen anschauen und hoffe, dass was dabei ist.

In einem anderen Interview hast Du erklärt, dass Du gerne auswärts essen gehst, weil Du nicht der beste Koch bist. Hast Du schon ein paar Restaurants in Norwich ausprobiert?

Ich war jetzt schon zwei Mal in einem türkischen Restaurant, das echt gut ist. Super Essen, coole Location, abends bisschen was los – da habe ich mich am wohlsten gefühlt.

Wenn Du selbst ein Essen zubereiten müsstest, um jemanden zu beeindrucken, was würdest Du kochen?

(Überlegt) Was würde ich da kochen? Ein guter Fisch… Gegrillte Dorade! Was ich gerne noch dazu esse, ist wilder Brokkoli und einen Salat als Beilage.

Wie wichtig war es für dich zu wissen, dass es eine große Gruppe deutschsprachiger Spieler bei Norwich gibt?

Das hat für mich gar keine große Rolle gespielt. Für mich war es wichtiger, einen deutschen Trainer (Daniel Farke, d. Red.) zu haben, um mir den Einstieg in der Premier League leichter zu machen. Die Sprache auf dem Platz ist noch mal eine andere als das, was auf der Straße gesprochen wird. Da konnte er mir helfen, wenn ich mal was nicht verstanden habe.

Gibt es denn trotzdem einen Spieler, zu dem Du einen besonders guten Draht hast?

Mit Mario Vrančić verstehe ich mich sehr gut, wir kennen uns schon aus der Zeit in Paderborn. Mit Marco Stiepermann habe ich in der U20-Nationalmannschaft gespielt. Da sind schon einige, bei denen es vorher eine Verbindung gab.

Aber mit Mario habe ich am meisten zu tun. Ich konnte ihn natürlich vor dem Wechsel nicht einweihen, weil alles so schnell ging. Da hat er sich beschwert, warum ich nicht vorher mal geschrieben habe. Aber ansonsten ist alles gut zwischen uns (lacht).

Welche Rolle hat Daniel Farke bei deinem Wechsel gespielt?

Wir hatten ein längeres Gespräch am Telefon als ich noch mit Hoffenheim im Trainingslager war. Da hat er mir von Norwich erzählt, aber auch, dass er mich schon länger verfolgt. Er kommt nämlich gebürtig aus Paderborn oder zumindest aus der Umgebung. Er hat mir einfach vermittelt, dass er Bock drauf hat, wenn das mit meinem Wechsel klappen würde. Das hat für mich eine entscheidende Rolle gespielt.

Wie würdest Du ihn als Trainertyp beschreiben? Macht er vielleicht etwas anders als die Trainer unter denen Du bisher gearbeitet hast?

So lange bin ich noch nicht hier, aber ich erkenne keinen Riesenunterschied zu anderen Trainern. Heutzutage sind die sich alle recht ähnlich. Da war bisher nichts dabei, wo ich sagen würde: ‚Das habe ich noch nie gehört‘. Nur eine Sache: Das Training ist um Längen intensiver als in Deutschland. Das kannten die anderen Spieler hier aber auch nicht, das hat also anscheinend der Trainer mitgebracht.

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Vor deinem Wechsel bist Du in Hoffenheim mehrere Wochen nicht zum Einsatz gekommen. Wie kommt dein Körper bisher mit der Premier League zurecht?

Klar habe ich erstmal ein paar Tage gebraucht, um mich anzupassen. Aber komischerweise kam ich bisher sehr gut mit der Belastung zurecht. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass ich mich so gut fühle, besonders nach den Spielen, aber bisher verkrafte ich das echt sehr gut.

Es waren erst wenige Spiele seit deinem Wechsel. Aber vielleicht gibt es ja trotzdem einige Unterschiede zur Bundesliga, die Du bereits bemerkt hast?

Hier geht es viel physischer, viel athletischer zur Sache. Die Stürmer und die Abwehrspieler sind stärker und schneller. Dafür ist es nicht so taktisch wie in der Bundesliga Es wird immer versucht, direkt nach vorne zu spielen.

Welche Qualitäten glaubst Du, bringst Du als Fußballer mit, um gut in die Premier League zu passen?

Läuferisch bin ich sehr, sehr stark, sowohl was die Ausdauer als auch die Sprints angeht. Ich habe die Ruhe und mittlerweile auch die Erfahrung, um mal Tempo aus dem Spiel zu nehmen und nicht immer sofort den Weg nach vorne zu suchen. Die Jungs hier wollen echt immer nach vorne marschieren.

Wenn man in den Spielkalender guckt, warten noch ein paar namhafte Gegner im Saisonverlauf. Gibt es da eine Partie, auf die Du dich besonders freust?

Natürlich auf das Spiel gegen Liverpool, die hatten wir ja damals schon in der Champions League Qualifikation mit Hoffenheim. Aber auch auf Topgegner wie Arsenal oder Chelsea: Für die Jungs hier ist das vielleicht Normalität, gegen diese Teams zu spielen, aber für mich ist das etwas Besonderes.

Die Saison geht langsam aber sicher in die entscheidende Phase. Für Norwich geht es da um sehr viel. Wie ist die Stimmung im Team? Was ist für dich und deine Kollegen noch möglich?

Ich weiß nicht, wie es den anderen geht, aber ich kriege davon ehrlich gesagt nichts mit. Jeder weiß, dass es eine enorm schwierige Aufgabe wird. Wir sind alle realistisch genug, um zu sagen: Das wird echt brutal. Aber der Verein ist ruhig, die Stadt ist ruhig, die Fans wissen, es wird schwierig. Hier macht uns keiner verrückt.

In einem Interview mit ‚Goal‘ hast Du mal gesagt, dass Du nach deiner aktiven Karriere kein Trainer werden möchtest. Du hättest keine Lust auf die vielen Ortswechsel, würdest lieber irgendwo sesshaft werden. Ist das immer noch so oder hat sich deine Meinung geändert?

Für mich ist das immer noch so. Klar, ich bin jetzt raus aus Deutschland, aber ich möchte in meiner aktiven Karriere mitnehmen, was geht. Danach möchte ich aber nicht mehr so viel verreisen, möchte lieber zu Hause bei der Familie sein. Aktuell habe ich noch keine eigene, deswegen war es auch einfach für mich, zu sagen: ‚Hey, ich mach das jetzt.‘

Es gibt ja auch Spieler, die nach ihrer Karriere nichts mehr mit Fußball zu tun haben möchten.

Fußball ist mein Leben. Vielleicht möchte ich schon noch ein wenig damit zu tun haben, aber ich weiß, was für ein Business das ist. Ich habe das zwölf Jahre mitgemacht und ich weiß, wie dreckig das Geschäft ist. Deswegen möchte ich eigentlich erstmal ein bisschen Abstand gewinnen.

Wie stehen die Chancen, dass Du dich in England niederlässt, wenn es bei Norwich gut laufen sollte?

Aktuell kann ich mir das nicht vorstellen. Aber vielleicht lerne ich hier meine Traumfrau kennen und es gefällt mir so gut, dass ich bleiben will. Grundsätzlich möchte ich zurück nach Deutschland. Dass mein Bruder in London wohnt, ist eine tolle Sache. Die haben sich sehr gefreut, ich habe mich sehr gefreut. Aber dass die dort für immer bleiben, da gehe ich nicht von aus. Deswegen glaube ich, Deutschland wird mein Mittelpunkt sein.

Das Interview führte Niklas Levinsohn von One Football

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