Pascal, nach 70 Bundesligaspielen für Hoffenheim und Ingolstadt beginnt nun die vierte Saison in der Premier League für dich. Worin siehst du den größten Unterschied zwischen den Ligen?Der liegt in der Physis und in dem Tempo. Das ist in der Premier League viel höher.

Du wurdest im ersten Spieljahr gleich Spieler der Saison bei den Seagulls und hast den ersten Treffer des Klubs in der Premier League erzielt. Dein Tor beim 1:0 gegen Manchester United sicherte zudem den Klassenerhalt. Was ist das für ein Gefühl, Vereinsgeschichte geschrieben zu haben?

Das ist ein Super-Gefühl. Wenn ich irgendwo hinkomme und Vertrauen spüre, dann will ich auch alles für den Verein geben und dieses Vertrauen dem Verein mit guten Leistungen zurückgeben. Und das ist mir gleich sehr gut gelungen.

Hast du hier in Brighton instinktiv gleich alles richtig gemacht?

Ich habe mir für die Entscheidung Zeit genommen. Brighton wollte mich schon länger, ich war zweimal vor Ort und habe mir alles angesehen. Das Ausland war für mich ein großer Schritt, weil ich sehr heimatverbunden bin. Es war eine Entscheidung, die ich sehr bewusst getroffen habe. Dann hat es gleich gepasst.

Was hast du in den bislang drei Jahren in der Premier League am meisten genossen?

Die Spiele auf Top-Niveau machen richtig Spaß, weil eben hohes Tempo im Spiel ist. Egal, gegen wen man spielt, ist es immer hohe Qualität. Es sind richtige Highlights, wenn du das erste Mal in Liverpool, bei Manchester United oder im neuen Tottenham-Stadion spielst.

Das Amex-Stadium von Brighton ist noch ziemlich neu und mit gut 30.000 Zuschauern immer sehr gut gefüllt. Wie nimmst du die Atmosphäre bei den Heimspielen wahr?

Die Heimspiele sind super und eigentlich immer ausverkauft. Unsere Fans schätzen es immer noch sehr, dass wir in der Premier League sind. Sie wissen, dass es ein sehr langer Weg dorthin war und genießen immer noch jedes Spiel.

Und wie empfindest du im Gegensatz dazu die Atmosphäre bei den derzeitigen Geisterspielen?

Wir trainieren und machen uns jeden Tag dafür bereit, in einem vollen Stadion zu spielen. Das ist der Traum jedes Fußballers. Es ist schon sehr gewöhnungsbedürftig. Die Situation ist nicht schön, aber für jeden gleich. Man muss es annehmen und sich darauf einstellen, dann ist es okay.

Zur neuen Saison kam der 34-fache Nationalspieler Adam Lallana vom FC Liverpool in deine Mannschaft. Was kannst du von einem derart erfahrenen Spieler noch lernen?

Er ist eine super Verstärkung für uns. Ein Spieler, der sehr viel erlebt hat: Finale in der Champions League mit dem Sieg, die Weltmeisterschaft in Brasilien. Ein 1A-Mensch, der sich super hier einbringt. Er hat null Star-Allüren und ist einer, der überall helfen will und seine Erfahrungen teilt. Er will die Mannschaft und jeden Einzelnen besser machen. Er passt menschlich sehr gut in unsere Mannschaft.

Siehst du dich mit fast 30 auch schon in der Rolle eines erfahrenen Spielers?

Ich habe ja noch knapp ein Jahr bis 30. Aber ich bin schon ein erfahrener Spieler. Ich habe vor ein paar Tagen mein 100. Spiel für Brighton und in Deutschland auch schon fast 200 Spiele in den ersten zwei Ligen gemacht. Ich bin noch im besten Fußballer-Alter, weil ich topfit bin und schon viel Erfahrung habe. Ich glaube schon, dass ich noch sehr viele gute Jahre vor mir habe, weil ich sehr fit bin.

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Wie sind die Aussichten von Brighton in der diesjährigen Saison?

Die Liga ist so stark, da sollten wir erst einmal unsere Punkte für den Klassenerhalt sammeln. 40 Punkte, und dann kann man oben gucken. Wir wollen uns verbessern. Wir werden auch jedes Jahr stärker. Aber trotzdem sollten wir bescheiden bleiben, weil die Liga sehr stark und ausgeglichen ist.

Dein Vertrag läuft noch bis 2022. Lockt dich der Gedanke an eine Rückkehr in die Bundesliga?

Ja, auf jeden Fall. Wie gesagt, ich bin sehr heimatverbunden. Es war ein großer Schritt ins Ausland, auf den ich sehr stolz bin. Er hat mich zu einem besseren Spieler und Menschen gemacht. Ich habe in England sehr viel gelernt und es prägt mich immer noch sehr. Irgendwann will ich aber wieder den Schritt Richtung Deutschland machen. Ich freue mich auch schon drauf, wieder nach Hause zu kommen.

Gibt es einen Wunschverein?

Einen Wunschverein gibt es aber nicht. Ich bin ein Spieler, bei dem das Gesamtpaket stimmen muss. Das Gefühl des Vereins und des Trainers, dass sie mich unbedingt wollen. Ich muss mich damit identifizieren können. Das konnte ich bei den Vereinen, bei denen ich bisher gespielt habe, immer. Ich bin nie mal für ein Jahr irgendwo hin. Ich war fünf Jahre in Ingolstadt und bin dort gewachsen. Jetzt bin ich schon drei Jahre hier in Brighton. Ich identifiziere mich mit dem Verein und gebe wirklich alles für den Klub, für die Mannschaft und für das ganze Umfeld. Wenn alles stimmt, bin ich mit dem Herzen dabei.