Sein Wechsel von der Weser an den Bosporus vor der Saison 2019/20 war eine kleine Sensation und wurde von einigen Fußballfans belächelt. Der Grund: Max Kruse sprach davon, bei Fenerbahce Istanbul international wieder auf Topniveau spielen zu wollen. Ausgerechnet bei Fenerbahce? Die Kanarienvögel hatten sich nach einer schwachen Vorsaison nicht einmal für die Europa League qualifiziert. Das wird ihnen in dieser Saison womöglich auch nicht gelingenweil der Tabellensiebte in der Süper Lig aktuell neun Punkte von einem Qualifikationsplatz entfernt ist. Aber: Max Kruse ist dafür in seiner neuen Heimat angekommen – sportlich wie auch menschlich.   

Ein waschechter Zehner 

Er hat sich zum absoluten Dreh- und Angelpunkt der „Kanarienvögel“ entwickelt und steuerte in bisher 20 Ligaspielen 14 Scorerpunkte (sieben Tore, sieben Assists) bei. Als hängende Spitze entspricht sein Spiel genau der Nummer, die er beim 19-maligen türkischen Meister auf dem Trikot trägt: die 10. Der gebürtige Reinbeker überzeugt in dieser Rolle und setzt mit dem letzten oder vorletzten Pass seine Mitspieler brillant in Szene. Bereits bei Werder Bremen postierte er sich gern hinter den Außenstürmern RashicaEggestein oder Osaka. Nun tut er das auch bei Fenerbahce. Oft baut er das Spiel aus dem Mittelfeld auf, initiiert die Angriffe, bestimmt das Tempo und tritt sogar die Elfmeter. Auch als Torjäger ist der ehemalige deutsche Nationalspieler mittlerweile ein Faktor. Seit dem Rückrundenstart traf er bereits fünf Mal – unter anderem im Stadtderby gegen Galatasaray, das Fenerbahce allerdings mit 1:3-Toren verlor. Und was denken die türkischen Fans über den Norddeutschen? Spätestens seitdem er inbrünstig die türkische Hymne mitgesungen hat, konnte er die Herzen vieler Fans gewinnen. 

Ein charmanter Sänger 

Dass er nicht nur unter der Dusche singen kann, hat Kruse kürzlich bei der türkischen Variante von „The Voice“ bewiesen. Chic und stilsicher in Smoking, weißem Hemd und mit schwarzer Fliege trat Kruse vor die Fernsehkameras und überzeugte die Jury mit dem Klassiker „Sway“ von Dean Martin. Auf Englisch erzählt er den Juroren anschließend: „Ich lebe das erste Mal außerhalb Deutschlands, hatte keine bestimmten Erwartungen. Es gibt außerhalb der Türkei verschiedene Meinungen über dieses Land, ich kann nur sagen: Ich habe hier sehr viele hilfsbereite und freundliche Menschen getroffen. Ich fühle mich wohl.“ Woran er sich in der Türkei am meisten gewöhnen musste? „An die Emotionen – die können hier von hundert auf null fallen in einer Woche, insbesondere, wenn du gewinnst oder verlierst. Dann ändert sich das schnell“, sagt er und ergänzt: „Nach sechs Monaten aber bekomme ich das allmählich hin.“  

Ein treuer Neu-Türke 

Angesichts der sportlichen Krise seines Ex-Klubs Werder Bremen spekulierten einige deutsche Experten schon über eine mögliche Rückkehr Kruses an die Weser. Doch einem vorzeitigen Abgang aus der Türkei hat Kruse eindeutig einen Riegel vorgeschoben: „Wir haben hier eine klasse Mannschaft, mit der ich noch viel erreichen will. Er will am Bosporus bleiben und kommuniziert das auch sehr deutlich. Wohl auch, weil der 31-Jährige bei Fenerbahce sportlich immer mehr überzeugt und sich in der türkischen Metropole immer heimischer zu fühlen scheint.  

Übrigens: Am morgigen Freitag wird Fenerbahce zuhause gegen den Tabellenletzten Kayserispor wieder voll auf Sieg spielen  Max Kruse wird allerdings nicht dabei sein. Er hat sich am letzten Spieltag gegen Konyaspor einen Bänderriss im Sprunggelenk zugezogen. 

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