Woran misst man Trainerleistung? Was macht die besten Übungsleiter im Profifußball aus? Sicher: Siege, Punkte und der Tabellenrang sind gute Indikatoren für die gute Leistung einer Mannschaft – und die hängt zumeist unmittelbar von den Vorgaben des Teamchefs ab. Doch genauso wie manchmal mangelnde individuelle Klasse durch taktische Expertise nicht kaschiert werden kann, ist es nicht immer einfach, die Egos eines Starensembles in Schach zu halten.

 

Meister werden – leichter gesagt als getan

Mit Letzterem hatte in der vergangenen Spielzeit gerade Bayern-Trainer Niko Kovac alle Hände voll zu tun. Ob ein unzufriedener Jerome Boateng auf der Bank oder drei Vorgesetzte, die in der Öffentlichkeit allzu wenig unkommentiert ließen – Der Kroate musste in nur einem Jahr beim Rekordmeister so einiges aushalten. Dass die Mannschaft dann auch noch in der Hinrunde hinter den Erwartungen zurückblieb, machte nichts leichter.

Doch Kovac schaffte zuletzt nicht nur das Mindestziel „Meisterschaft“, er konnte auch zum zweiten Mal infolge den Pokalsieg feiern, der ihm im Vorjahr mit Eintracht Frankfurt gegen die Münchner gelungen war. Doch damit nicht genug: Der 47-Jährige schaffte es zusätzlich, Neuzugänge wie die Nationalspieler Goretzka und Gnabry ins Spiel des Meisters zu implementieren. So ebnete er in Bayern den Weg für einen Generationenwechsel, ohne verdienten Routiniers wie Arjen Robben, Franck Ribéry und Rafinha einen würdigen Abgang zu verwehren. Dieses Personalmanagement – bei aller Klasse der einzelnen Akteure – ist aller Ehren wert.

 

Europa statt Bedeutungslosigkeit

Eine der weiteren großartigen Geschichten der abgelaufenen Bundesliga-Saison schrieb Kovac-Nachfolger Adi Hütter mit Eintracht Frankfurt. Beim hessischen Bundesligisten herrschte nach Pokalsieg trotz mittelmäßigen Liga-Wettbewerbs 2017/18 Ungewissheit, was als Zielsetzung realistisch wäre. Mit teil-erneuertem Kader und ohne den beliebten kroatischen Erfolgstrainer musste die SGE die Titelverteidigung im Pokal angehen und wollte gleichzeitig in Liga und Europa-League überzeugen.

Mit Hütter sollte es ein in den großen Fußball-Wettbewerben mehr oder weniger unbeschriebenes Blatt für Frankfurt richten. Doch holperte es zu Beginn gewaltig. Mit einer ernüchternden 1:2-Niederlage gegen Viertligist SSV Ulm 1846 schied der Vorjahressieger gleich in der ersten Runde aus dem DFB-Pokal aus und auch in der Bundesliga folgten auf einen Auftakterfolg gleich vier sieglose Partien.

Doch ließen sich weder Mannschaft noch Trainer von den Startschwierigkeiten beeindrucken. In den folgenden Wochen und Monaten avancierte die Hütter-Elf zu einer der besten Offensiven Deutschlands, spielte sich in der „BuLi“ bald auf die europäischen Platzierungen.

Zeitgleich bahnte sich auf internationaler Ebene schon die nächste Sensation an. So schossen sich die Hessen ohne Punktverlust durch die Gruppenphase der Europa-League, hielten in den K.O.-Spielen unter anderem Inter Mailand und Benfica Lissabon stand und mussten sich dem späteren Wettbewerbs-Sieger Chelsea erst im Elfmeterschießen geschlagen geben. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Eintracht, hatte Adi Hütter längst die Sympathien aller deutschen Fußballfans hinter sich.

Nach dem Ausscheiden im EL-Halbfinale war dann auch für die Liga die Kraft aufgebraucht, Frankfurt gab die letzten drei Bundesliga-Begegnungen her und rutschte vom vierten Tabellenrang auf den siebten. Am Ende steht jedoch eine Saison, die Fans der SGE so schnell wohl nicht vergessen werden und an der der österreichische Trainer großen Anteil hatte.

 

Fortuna Düsseldorf und ihr Funkel Hoffnung

Doch braucht es nicht immer Meisterschaft große Triumphe oder internationalen Wettbewerb, um sich als Trainer zu beweisen. Friedhelm Funkel hatte das bei Fortuna Düsseldorf schon vor Beginn der Spielzeit 2018/19 längst nicht mehr nötig. Gerade erst hatte er mit dem nordrhein-westfälischen Hauptstadtklub überzeugend die Zweitliga-Konkurrenz hinter sich gelassen. Für das Oberhaus wurden dem kleinen Neu-Bundesligisten jedoch kaum Chancen auf den Klassenerhalt eingeräumt.

Tatsächlich fanden sich die Rheinländer nach nur sieben Spieltagen im Tabellenkeller wieder, aus dem sich die Fortunen auch die darauffolgenden acht Wochen nicht herauskämpfen konnten. Zweifler hatte es auch vor dem ersten Ligaspiel gegeben, immerhin stellte Düsseldorf das Team mit dem zweitgeringsten Marktwert. Gegen Ende der Hinrunde wurden nun aber auch kritische Stimmen laut, die den 65-jährigen Übungsleiter nicht mehr für den richtigen Kandidaten hielten.

Und als dann vor dem 15. Spieltag zum wiederholten Male ein „Schicksalsspiel“ für Funkel ausgerufen worden war, fing die Elf des Trainer-Routiniers an, für ihren Coach zu gewinnen. Erst gegen Freiburg, dann – als erster Bundesligist in dieser Saison überhaupt – gegen Tabellenführer Borussia Dortmund. Es folgten zwei weitere Siege. Schon die Winterpause konnte Fortuna Düsseldorf auf einem Nicht-Abstiegsrang verbringen. Die Funkel-Kritiker verstummten.

Fortan beschränkten sich die Rheinländer darauf, beinahe nur noch Spiele zu verlieren, in denen sie auch wirklich eindeutig Außenseiter waren. Das Resultat: der frühzeitige Klassenerhalt. Für manchen Fan eine Sensation, zweifelsohne jedoch ein Zeugnis der Klasse des Trainer-Altmeisters Friedhelm Funkel.

 

Liga der Strategen

Noch andere Bundesliga-Coaches könnte man nennen, die über die Bundesliga-Saison 2018/19 im Rahmen ihrer Möglichkeiten nahe ans Maximum gelangten – die Namen Favre, Rangnick, Hecking und Bosz kommen in den Sinn. Besonders beeindruckenden Geschichten schrieben jedoch die oben genannten. Am Ende bleibt die erste Fußball-Bundesliga eine Liga außergewöhnlicher Athleten und Strategen, die für zwei Drittel des Jahres für beste sportliche Unterhaltung sorgen.

 

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