Es ist Samstag, 15.30 Uhr, in Deutschland, die traditionelle Anstoßzeit der Bundesliga. In Dortmund, München, Berlin, Stuttgart oder Frankfurt pilgern die Fußballfans in Scharen in die Stadien. Immer wieder werden britische Anhänger gesichtet, die zwar in ihrer Heimat ihren eigenen Fußballverein haben, jedoch in den vergangenen Jahren auch Bundesligaklubs unterstützen. Warum ist das so? In der Premier League, die als stärkste Liga weltweit gilt, fließt zwar das große Geld und der Wettbewerb ist gespickt mit Superstars, jedoch hat dieser Luxus seinen Preis. Für viele Fans in England sind die Eintrittskarten schlichtweg nicht mehr bezahlbar und durch den Wegfall der Stehplätze hat auch die Stimmung in den Arenen gelitten. Während man bei Manchester City, Arsenal oder Chelsea Weltstars sehen kann und die Stadien durchaus ihren Charme haben, ist es in Stuttgart, Dortmund oder Frankfurt schlichtweg lauter und auch bodenständiger. Ticketpreise sind erschwinglich und die Nähe zwischen Mannschaft und Fans ist spürbar vorhanden. Bestes Beispiel: Eintracht Frankfurt. Die Hessen haben einige Bundesliga-Highlights erlebt, darunter das atemberaubende 5:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern, wodurch die Adler in einer fast aussichtslosen Situation 1999 noch den Klassenerhalt schafften. Das Waldstadion glich damals einem Tollhaus. Und nun, 20 Jahre später, sorgt die Eintracht international für Furore. Ob bei West Ham, in Sevilla oder mit unfassbaren 30.000 Anhängern in Barcelona, die Frankfurter Fans schreiben einmal mehr Geschichte und machen sich in ganz Europa einen Namen.

Auch der VfB Stuttgart hat eine lange Bundesligageschichte. Mit Stars wie Krasimir Balakov, Giovane Elber oder Mario Gomez spielten die Schwaben regelmäßig um die internationalen Plätze. Die letzte Meisterschaft im Jahre 2007 bleibt da in bester Erinnerung. Erst am 33. Spieltag übernahm der VfB nach einem 3:2 in Bochum die Tabellenführung. Cacau brachte die Schwaben in Front und eine Glanzparade von Timo Hildebrand sorgte damals für den Sieg. Im Heimspiel am letzten Spieltag gegen Cottbus war man nach dem 2:1 wieder Deutscher Meister: Unvergessen im Ländle.

Zwar wird die Bundesliga aktuell sehr stark vom FC Bayern dominiert, der Kampf gegen den Abstieg und um die internationalen Plätze ist jedoch jede Saison spannend. Und dann gibt es ja noch die Derbys. Aktuell steht das Berliner Derby zwischen Hertha BSC und Union im Fokus, ab der Saison 2022/23 ist auch der FC Schalke 04 wieder dabei, um das Ruhrderby gegen Borussia Dortmund zu spielen. In der Historie der Bundesliga gab es immer wieder heiße Rivalitäten und Nachbarschaftsduelle.

 

Nicht zu verachten sind dabei zudem Traumtore, die in der Bundesliga erzielt wurden. Dazu gehören der Hackentrick von Wolfsburgs Grafite gegen Bayern München im Jahre 2009, Frankfurts Jay-Jay Okocha, der Oliver Kahn im Waldstadion austanzte, oder Diegos Distanzschuss für Werder Bremen gegen Alemannia Aachen. Dies gelang auch Herthas Alex Alves, der 2000 mit einem Schuss direkt vom Anstoßpunkt gegen den 1. FC Köln traf. Legendär!

Die Bundesliga gehört zu den fünf stärksten Ligen in Europa und ist vielleicht aktuell nicht ganz auf dem Level der Premier League oder La Liga, sie hat aber einen Vorteil: die Fanfreundlichkeit. Tickets sind bezahlbar, Bratwurst und Bier sind überall erhältlich und die Meinung der Fangruppen findet Gehör. Bei Entscheidungen, wie zum Beispiel, zu Ticketpreisen, Stehplätzen oder Auswärtsfahrten wird auf das Wohl der Fans geachtet. Die 50+1 Regel im deutschen Profifußball verhindert die Übernahme von Investoren, die Entscheidungen alleine tätigen können und im Zweifel Fangruppen ausschließen, die sich die teuren Ticketpreise nicht mehr leisten können. Dies erklärt die internationale Beliebtheit der Bundesliga. Denn auch an diesem Wochenende, dem letzten Spieltag der diesjährigen Bundesligasaison, wird es in Stuttgart, Dortmund, Berlin oder Mönchengladbach wieder laut und ereignisreich. Neben interessanten Bundesligapartien auf dem Platz ist die 1. Liga eben auch die Liga der außergewöhnlichen Fans. Diesen Ruf haben sich die Bundesliga und ihre Anhänger redlich verdient.