Einst war es das höchste Skigebiet der Welt: Chacaltaya in Bolivien. Heute erinnert wenig daran, wie noch bis vor wenigen Jahren auf diesen Gipfeln aus Geröll und Stein Wintersport betrieben wurde. Der Gletscher von Chacaltaya ist geschmolzen. Was Boliviens einziges Ski-Gebiet zerstörte, ist eine globale Bedrohung: der Klimawandel. Unsere Infografik zeigt, dass die Gletscher weltweit unter der Erderwärmung und ihren Folgen leiden:

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Bedroht der Klimawandel die Ski WM 2019?

Wie kein anderer Sport der Welt ist Wintersport unmittelbar vom Klima abhängig. Schmelzende Gletscher und sinkender Schneefall bedrohen die ca. 125.000.000 Wintersportler weltweit.

Eine europaweite Studie der Universität Wageningen ergab, dass mit jedem Jahrzehnt die durchschnittliche Schneehöhe um rund 12 Prozent zurückgeht. Ein Horror für die Ski-Gebiete, die für schneebedeckte Pisten umso stärker auf Schneekanonen zurückgreifen müssen.

Doch hier beißt sich die Katze in den Schwanz: Der Skisport selbst trägt seinen Teil zu der Misere bei. Allein das Anlegen eines Ski-Gebietes zieht schwerwiegende Folgen für die Umwelt nach sich. Wälder werden kilometerweit gerodet, durch planierte Böden werden Erosionen und Lawinen gefördert, Schneekanonen verbrauchen Unmengen an Wasser. Pro Jahr verbraucht eine Schneekanone pro Hektar 1 Millionen Liter Wasser – so viel wie eine ganze Großstadt.

Austragungsort der Ski-WM 2019 ist Åre, eines der beliebtesten Ski-Gebiete Schwedens. Auch Åre kann sich der Notwendigkeit von Schneekanonen und Pistenraupen nicht entziehen. Und doch macht das kleine Städtchen mit guten Nachrichten von sich reden. Rund 350.000 jährliche Besucher zählt die nicht einmal 3.000 Einwohner beherbergende Kleinstadt. Die Nachfrage als Tourismusdestination wächst stetig und mit ihr die Ideen. Ein Start-Up nach dem nächsten sprießt aus dem Boden der ehemals verschlafenen Region und was diese oftmals mit sich bringen, ist bekannt: Zukunftsvisionen und Nachhaltigkeit. Um die Umweltbilanz eines Skiurlaubs in nordischen Gefilden steht es danach gar nicht so schlecht.

Ski in Schweden, dem Land der Nachhaltigkeit

Skisport hin oder her, Fakt ist: Die Schweden sind Nachhaltigkeits-Europameister! Als Vorreiter im Kampf gegen den Klimawandel führen sie die Entwicklung im Bereich der Elektromobilität an und konnten den jährlichen CO2-Ausstoß damit unter dem europäischen Durchschnitt halten.

Auch im Recycling kann die Welt einiges von den Skandinaviern lernen: 99% der Abfälle werden dank ihres „Waste-to-Energy“ Programms wiederverwertet. Während überall auf der Welt die Wälder gerodet werden, bleiben in Schweden die Bäume stehen: Die Fläche des Landes besteht zu 53% aus Wald. Zum Vergleich: Deutschland kommt hier nur auf circa 30%, Tendenz sinkend.

Für eine ökologische Ausrichtung des Wintersports ist das Gold wert, denn die Wälder bewahren die heimische Tier- und Pflanzenwelt und haben einen positiven Einfluss auf die Senkung der CO2-Bilanz. Wenn nun bei der Ski-WM 2019 der Kampf um die Medaillen beginnt, ist immerhin klar: Mit Schweden hat sich der Weltskiverband FIS ein vorbildliches Austragungsland ausgesucht, das zum Umdenken anregt.

Ski-WM 2019 Favoriten im Kampf um die Medaillen

Insgesamt elf WM-Titel werden vergeben - darunter Abfahrt, Riesentorlauf, Slalom, Super-G, Alpine Kombination und Team-Event. Hier zu allen Winter Sportwetten.

Für die deutschen Skifahrer scheint es ein harter Kampf zu werden. Hoffnungsträger Stefan Luitz stürzte kürzlich beim Weltcup in Adelboden und kugelte sich dabei die Schulter aus. Bis zur Meisterschaft in Åre sollte er zwar körperlich wieder fit sein, die Weltcups dazwischen sowie die WM-Generalprobe muss er jedoch aussetzen.

Auch Deutschlands einstiger Vorzeige-Skifahrer Felix Neureuther schwächelt gewaltig. Seit seinem Kreuzbandriss Ende 2017 schafft Neureuther es nicht mehr, zu seiner einstigen Topform zurückzufinden, wirkt in Interviews demotiviert und hoffnungslos. Die Leistungen und Chancen der übrigen deutschen Teilnehmer sind ebenfalls überschaubar, sodass einiges an Daumendrücken nötig sein wird.

Marcel Hirscher aus Österreich hingegen gilt als der Top-Favorit des Gesamtweltcups der neuen Saison. Damit wäre es der achte Gesamtweltcup-Sieg für den 29-jährigen. Eine Sportwette auf Hirscher zu setzen ist fast ein Garant für einen Sieg, besonders in seinen Paradedisziplinen Slalom und Riesenslalom – aber auch im Super-G rechnen viele fest mit einer Medaille für den Österreicher. Ein weiterer spannender Kandidat ist der 24-jährige Norweger Henrik Kristoffersen. Seine Stärken liegen besonders im Slalom und Riesenslalom.

Ein Wettkampf mit Vorbildfunktion

Es wird also spannend im Land der Wikinger. Zu hoffen bleibt, dass die WM im nachhaltigsten Land Europas nicht nur den Wintersport zelebriert, sondern seine Ideale in puncto Klimawandel weiter in die Welt trägt. Wir gehen guten Beispiels voran und haben zum Abschluss drei einfache Tipps, die man für ein nachhaltiges Skivergnügen beherzigen sollte:

  1. Das Gute liegt so nah
    Forscher haben errechnet: 500 Meter Autofahrt mit einem Mittelklasse-Fahrzeug kosten langfristig ein Kilo Gletschereis. Die Wahl des Skigebietes sollte besser auf eines in der Nähe fallen – das spart nicht nur Zeit bei der Anreise, sondern eben auch CO₂. Fast 85 Prozent des CO₂-Ausstoßes im Wintertourismus sind lediglich auf die Auto-Anreise zurückzuführen.
  2. Die Auswahl macht’s
    Viele Skigebiete wie auch dortige Unterkünfte setzen mittlerweile auf Nachhaltigkeit und lassen sich dies auch zertifizieren.
  3. Rücksicht statt Freeride
    Man sollte darauf verzichten, die gekennzeichneten Pisten zu verlassen. Nicht nur ist dies ohnehin mit Gefahren für den Skifahrer verbunden, sondern schadet mitunter auch der Flora und Fauna: Wildtiere werden extrem negativ von der Störung beeinträchtigt und auch der Boden leidet.

 

Ein Platz auf dem Treppchen gegen den Klimawandel ist so auch für jeden Einzelnen in greifbarer Nähe. Hoffen wir, dass die deutschen Wettkampfteilnehmer aber nicht nur klimafreundliches Gedankengut, sondern auch Gold in Medaillenform aus Åre mit nach Hause bringen.