Die 83. Eishockey Weltmeisterschaft findet endlich statt und es ist wieder Zeit für spannende Sportwetten! Wir haben uns mit Sportjournalist und Eishockey Profi Pietro Nicolodi unterhalten und seine Favoriten dieser WM betrachtet.

Wie läuft die Weltmeisterschaft ab?

Ich werde dies mit einem Satz beantworten, den ich in meinem Leben oft benutzt habe: Die WM ist der unterhaltsamste und spektakulärste Unsinn, den es gibt. Unsinn, weil sie sich jedes Jahr mit den NHL-Play-Offs überschneiden, weshalb die besten Spieler der Welt insgesamt nicht teilnehmen können und das Land, das die Weltmeisterschaft gewinnt, nicht das stärkste Team ist. Das ist der Unsinn. Aber die Weltmeisterschaft macht Spaß und ist spektakulär, weil immer noch sehr viele große Spieler zusammenkommen. Jedes Jahr werden neue Rekorde aufgestellt.

Wir kommen aus einer einmaligen letzten WM in Dänemark, wirklich aufregend unter diesem Gesichtspunkt. Die Favoriten sind immer dieselben, aber es gibt auch den sehr wichtigen Wettbewerb der Länder, die vielleicht nicht die stärksten Hockeyspieler haben, aber die immer alles geben. 

Wie ist die Beziehung zwischen der NHL und der Weltmeisterschaft?

Die Basis der großartigen Teams besteht im Wesentlichen aus NHL-Spielern, von denen viele bereits aus den Play-Offs und in der Regular Season ausgeschieden sind. Dann gibt es Spieler, die im letzten Moment hinzugefügt wurden: Bis zum Halbfinale können die Spieler gewechselt werden. Die Liste bleibt offen, es gibt Raum, um mehr Spieler einzusetzen und es gibt Spieler, die bei der ersten oder manchmal der zweiten Runde ausgeschieden sind.

Die großen Teams bestehen fast alle aus NHL-Spielern, mit Ausnahme von Russland, welches sich leisten kann, ein gemischtes Team mit vielen Spielern aus ihrer Liga aufzustellen, weil ihre Liga auf dem höchsten Niveau ist. Wie auch Schweden, das nur wenige Spieler in ihrer Liga zurück lässt, welche auch auf höchstem Niveau ist. In Nordamerika spielen viele Schweden. Natürlich wissen wir nicht, wer da sein wird und wer nicht.

Einige Spieler geben auf, weil sie von der Saison erschöpft sind oder weil sie im nächsten Jahr ihren Vertrag verlängern müssen und bei der Weltmeisterschaft keinen Unfall riskieren wollen. Aber die Qualität der ankommenden Spieler ist immer sehr hoch. Wir wissen, dass Ilya Kovalchuk in Russland spielen wird und er macht einen guten Eindruck. Für die Schweiz wird Nico Hischier auflaufen - er ist ein weiterer Spieler, der das Level des Events erhöhen kann.

Wer kann der schwedischen Nationalmannschaft den Pokal wegnehmen?

Beginnen wir mit den Favoriten: Da kommt man nicht um das Trio Kanada, Schweden, Russland herum - eventuell hat auch Finnland ein Wörtchen mitzusprechen. Kanada hat immernoch eine starke Mannschaft und kann drei oder vier Teams entsenden, eines konkurrenzfähiger als das andere. Das Gleiche gilt für Schweden, das zwar wenige, aber starke Mannschaften hat. Das Gleiche kann man für Russland sagen mit dem überwältigenden Einzugsgebiet. Dann Finnland und die USA. Die Tschechische Republik weiter unten auf der Platzierung. Die Slowakei spielt zu Hause, aber ist nicht mehr so stark wie früher.

Was ist das Ziel von Deutschland?

Es wird nicht einfach sein für die Deutschen. Wir spielen es mit Norwegen, Lettland und Österreich aus. Für Deutschland hängt es davon ab, ob Leon Draisaitl kommt, der in diesem Jahr bei den Edmonton Oilers 50 Tore erzielte. Nichtsdestotrotz hat Deutschland hat eine unglaubliche Olympiade gemacht, wurde Zweiter und kam nah an dem Gewinn der Goldmedaille. Deutschland ist kein Favorit, aber trotzdem spielen sie stark in jedem Match. Die Mannschaft wird versuchen, es ins Viertelfinale zu schaffen und ich denke, das ist das höchste Ziel für die Deutschen.

Kann Deutschland die Leistung der letzten Olympischen Spiele wiederholen?

Es war schon ein unglaubliches Wunder, was sie in Pyeongchang geleistet haben. Ich bezweifle es, dass sie dieses wiederholen können, weil das Niveau dieser Olympiade eindeutig der niedrigste in den letzten Jahren war, im Vergleich zur Weltmeisterschaft letzten Jahres in Dänemark. Aber beim Eishockey kann alles passieren, also werden wir sehen!

Was halten sie von der Deutschen Eishockey Mannschaft?

Sie haben eine tolle Meisterschaft. Die DEL ist auf dem höchsten technischen und spektakulären Niveau. Die Spieler konkurrieren in jedem Spiel sehr stark und das ist erstaunlich anzusehen. Die Spiele bieten außergewöhnliche Plätze und ein unglaubliches Publikum. Aber es gibt zu viele neue Spieler. Die Deutsche Nationalmannschaft und Trainer sagen das oft.

Bis letztes Jahr gab es Marco Sturm, ein großartiger Spieler. Neben Draisaitl gibt es nun Kuhnhackl, der die Play-offs mit den New York Islanders spielt und Tobias Rieder. Die Besten versuchen offensichtlich zur NHL zu gehen. Sie werden aber nicht das Level von Schweden, Kanada oder der USA im Moment erreichen, die so schnell wachsen. Sie brauchen eine Arbeit von unglaublicher Tiefe. Ich bezweifle, dass es die Bereitschaft gibt, diese Arbeit zu machen.

Nennen sie uns ein paar Anekdoten der Eishockey-Weltmeisterschaft, die ihnen einfallen?

Meine größte Erinnerung ist persönlich und hat nichts zu tun mit dem Hockeyspiel an sich, aber sie hat alles zu tun mit der Hockey Weltmeisterschaft, die 1994 in Italien stattfand. Ich spielte eine wichtige Rolle für den Erfolg Kanadas im Finale gegen Finnland im Elfmeterschießen, weil ich Bier in die Umkleide gebracht habe. Das war sehr wichtig für den Erfolg der Veranstaltung, denn ohne Bier hätte Kanada nicht feiern können.

Ich habe über die Jahre viele Weltmeisterschaften live gesehen, unglaubliche Sensationen, verrücktes Publikum, die Freude, unglaubliche Spiele zu sehen, mit den Fans der beiden Teams, die sich miteinander verbrüderten und jede Art von Alkohol tranken. Besonders die Finnen tranken erstaunliche Sachen. Ich wusste nicht was, aber ich sah, es lud sie auf. Und dann viele tolle Spiele.